Absturz unserer Helden?

Ich habe sie geliebt und bewundert – meine „Helden“ des 20. Juli 1944, Claus Schenk von Stauffenberg und Henning von Tresckow z.B., Männer, die sich – nach meiner bisherigen Überzeugung – aus moralischen Gründen gegen das Hitler-Regime aufgelehnt und dabei tragisch verloren haben.
Ja, das hab ich bis zur letzten Frontal21-Sendung immer gedacht, und genau so wird diese Gruppe vermutlich ja auch im neuen Tom-Cruise-Film „Walküre“ dargestellt: als Männer mit hehren Zielen, mit dem unbedingten Willen, Deutschland von diesem judenmordenden und kriegslüsternen, psychisch kranken Monster zu befreien und eine andere, eine bessere Zeit anbrechen zu lassen.

Deshalb war ich umso erschütterter, als ich am letzten Dienstag bei Frontal21 diesen Bericht gesehen habe.

Danach musste ich mein Bild über meine „Helden“ erst einmal total revidieren, denn es gibt Belege dafür, die wohl kaum anzuzweifeln sind, und die nachweisen, dass zumindest einige Mitglieder der „Walküre“-Gruppe ganz klar auch selbst und ohne Skrupel an den Morden des 3. Reiches beteiligt waren.
Offenbar ging es den heute gern so verklärt dargestellten Herren gar nicht darum, die Gräueltaten dieses Verbrecher-Regimes zu beenden – im Gegenteil, sie haben nachweislich daran höchst freiwillig mitgewirkt!

Also nichts mit den unterstellten moralisch edlen Motiven?

Welche Gründe hatten sie DANN, gegen Hitler vorzugehen?
Wollten sie selbst an die Macht – ohne jedoch das Morden und den Krieg zu beenden?

Ein schrecklicher Verdacht, aber (leider, leider) wohl nicht völlig von der Hand zu weisen …

4 Gedanken zu „Absturz unserer Helden?

  1. Elke sagt:

    Ich wundere mich, dass du dich darüber wunderst, denn so unbekannt war das ja nicht. Diese Männer waren alle Männer ihrer Zeit, gehörten zur arischen Oberschicht und haben lange mitgemischt. Und bis zum 20. Juli 1944 haben sie sich lange genug Zeit gelassen. Ich denke, Verklärung war noch nie angebracht.
    Lieben Gruß
    Elke

  2. Ulinne sagt:

    Ja, das wusste ich natürlich auch. Ich dachte aber zumindest, dass sie im Laufe der Zeit ihr anfängliches Denken geändert hätten und vor allem gegen das Judenmorden und die anderen Nazi-Schweinereien gewesen seien, wobei die Erkenntnis über Letzteres ihren Verschwörungsentschluss befördert haben musste, Elke. Davon soll ja angeblich nicht jeder von Anfang an etwas gewusst haben.
    Doch nun hab ich zum ersten Mal Tresckows Unterschrift unter einen solchen Mordbefehl gesehen. Das hat mich dann doch sehr schockiert …

  3. Ulrike sagt:

    Ja, meine liebe Namensschwester – die Legende darf doch nicht sterben … sonst hätten noch viel weniger mit der Ausrede ‚aber es haben doch einige versucht!‘ leben können!Ich erinnere mich, dass in den Schilderungen meines Großvaters der Graf von St. immer den Beinamen ‚feiger Hund‘ hatte … Aber sicher wird ein einsamer Bericht nichts an der gewollten Verklärung der angeblichen Helden ändern!

    Viel, viel Lesestoff hab ich wieder gefunden. Und festgestellt, dass auch unsere Neigung, Geburtstage nicht pünktlich zu würdigen (hui, gut ausgedrückt …), uns ähnlich macht. Aber ich gestatte mir trotzdem, Dich auch heute noch ganz lieb zu umarmen und Dir immer alles Gute und Beste zu wünschen!

    Herzlichst Ulrike

  4. Karl-Heinz sagt:

    Hallo Ulrike,
    viele dieser Filme werden mehr nach dem Gutdünken desjenigen hergestellt, der diese Filme produziert. Da wird oft dazu gedichtet.
    Ich kann mich übrigens noch recht gut an den 20. Juli 1944 erinnern und die darauf folgenden Ereignisse.
    Die Leute waren weniger daran interessiert, was in Deutschland moralisch vor sich ging, sondern sie hofften mit der Beseitigung von Adolf dem Krieg ein Ende zu bereiten.
    Der zweite Weltkrieg war schon schlimm und ich kann wirklich von Glück sagen, dass ich ihn überlebt habe.
    LG KH.

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