Amazon und die NPD? Quatsch!

Während der letzten Tage war ich ja ein wenig aufgeschreckt. Da gab es etliche Hinweise, Amazon befinde sich „in Partnerschaft“ mit der NPD, man titelte im Börsenblatt sogar „Amazon kooperiert mit NPD„, und für Leute, die das Amazon-Partnerprogramm nicht kennen, musste das wirklich so klingen, als habe sich Amazon mit der braunen Soße verbandelt. So habe auch ich – ebenfalls im Amazon-Partnerprogramm – auch überlegt, ob ich da überhaupt weiter mitmachen kann, da ja auch ich viele, viele Bücher – z.B. bei „Literatur fast pur“ über dieses Partnerprogramm verlinkt habe. Wäre eine Menge Arbeit gewesen, denn es sind Hunderte (wenn nicht bald Tausende!) Buch-Links, die dort dann geändert werden müssten …

Politiker drohten mit Boykott, durch die SocialCommunitys wie Facebook geisterten weitere Boykott-Aufrufe etc..
Dass Politiker bei allem, was das Internet anbetrifft, ja in der Regel ziemlich – na, sagen wir freundlich – „uninformiert“ sind, wissen wir mittlerweile ja, aber dass durch diese Uninformiertheit dann gleich solche Kampagnen gefahren werden, die bei vielen anderen Uninformierten auf fruchtbaren Boden fallen, ist schon tragisch.

Genauso wenig wie Amazon aber vermutlich bewusst ist, dass man mit MIR in Partnerschaft steht oder mit jemandem, der kleine Kinder vergewaltigt, wusste man dort mit Sicherheit nicht, dass man eine „Partnerschaft“ mit der NPD hatte oder angeblich gar mit denen „kooperierte“.

Täglich melden sich Hunderte neue WebSite-Betreiber für das Amazon-Partnerprogramm an, um mit ein paar Cent am Umsatz beteiligt zu sein. Und wenn es auf den entsprechenden Sites nicht gerade strafrechtlich relevante Inhalte gibt, (was in vielen Fällen vielleicht auch nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist), – wie sollen die dann merken, mit wem sie es zu tun haben??? Man wird nicht einmal jeden einzelnen neuen Partner überprüfen können – es sind einfach zu viele. Die Partner werden – so wie sie sich eingetragen haben – als Kürzel geführt, die Klicks von der WebSite werden gezählt, die Verkäufe entsprechend der vertraglich vereinbarten Prozentpunkte umgerechnet und dem Konto gutgeschrieben, und wenn dann 50,-EUR erreicht sind, wird ausgezahlt – fertig.

Ja, und – so traurig es auch ist: Die NPD ist in unserem Staat nun mal leider NICHT verboten, kann als ganz „normale“ – angeblich „demokratische“ – Partei in unserem Ländle agieren und vom Staat – also von uns allen – z.B. Wahlkampfgelder und sonstige Zuschüsse einkassieren und hier ein lustiges Leben führen …
Welchen (rechtlichen) Hebel sollte Amazon also anziehen, falls man dort tatsächlich erkannt haben sollte – also OHNE Hinweise von außen, dass man es in seinem Partnerprogramm u.a. auch mit den Rechten zu tun hat?

Nun, man hat auf den Druck, der plötzlich über das Online-Haus hereinbrach, trotzdem reagiert:
Die NPD darf am Amazon-Partnerprogramm nun nicht mehr teilnehmen.

Ha – wie schön, ich muss meine vielen Links nun nicht mehr ändern …

(Hätte ich aber auch ohne diese Entscheidung dann doch nicht getan, denn diese Kampagne fand ich nach intensiverem Hinschauen eigentlich nur dumm – weil eben „uninformiert“ …)