Bernd Späths „Über das Glück der Depperten“

Bernd Späths „Über das Glück der Depperten“ erscheint im Februar 2013

Von der Kritik mit viel Lob überhäuft wurde Bernd Späths Roman „Trümmerkind“, der im Februar 2002 im Lübbe-Verlag erschienen war. Kritiker verglichen das Werk mit Bert Brecht, Günter Grass, Oskar Maria Graf, Hans Fallada, Siggi Sommer und Franz-Xaver Kroetz. Die durchaus autobiographische Geschichte des kleinen Wolfi Achinger, der im Fürstenfeldbruck der Nachkriegszeit aufwächst, fand vielseitigen Zuspruch. Kriegstraumatisierung, Hitler-Sehnsucht, Antisemitismus, Nicht-Wissen-Wollen und schiere Opferverhöhnung, das gab es nicht nur – aber eben auch – in Bruck. „Bis aus Magdeburg, Aurich oder Köln haben sich damals Leute bei mir gemeldet, um mir zu sagen, dass es bei ihnen genau so war.“ berichtet der Autor. In Bruck selber war man damals nicht so glücklich über das Werk: Eine ganze Serie übler Hetzartikel in der Lokalpresse musste von Bernd Späths Anwälten gestoppt werden. Der Autor, der „von meiner Zeit in Bonn her einen deutlich anderen Umgang gewohnt“ war, fühlte sich gesellschaftlich geschnitten. Aber nicht nur das: Er erhielt anonyme Brief und Anrufe, Andere erhielten Briefe mit seiner gefälschten Unterschrift. Anonyme Täter versuchten, seinen Gartenzaun anzuzünden, rissen seine Firmenschilder ab und stellten ihm ausgebrannte Grablichter auf den Gartenzaunpfosten. Als schließlich auch noch eine Nazi-Organisation ihn ins Visier nahm und ihm mitteilte, er werde demnächst „vom Baume hangen“, trug er zwei Jahre lang mit behördlicher Erlaubnis eine Schusswaffe und schlief sogar mit der Waffe auf dem Nachttisch. Dann hatte er genug und zog um nach München.

Aber das Schreiben hat er nicht aufgehört. Und so entstand ein weiterer Roman aus der Fürstenfeldbrucker Nachkriegszeit, in dem Späth seine bayerische Heimatstadt als „stellvertretend für die Atmosphäre im Nachkriegsdeutschland“ behandelt. „Über das Glück der Depperten“ heißt das neue Werk. – Späth dazu sardonisch: „Ich fand es bezeichnend, dass einige Brucker den Titel sofort auf sich bezogen.“ – Dabei geht es in Wirklichkeit um den Umgang mit Behinderten. Aber auch darum, wie schwer die Nachkriegsdeutschen sich damit taten, das Lebensrecht von Menschen anzuerkennen, die sie kurz zuvor noch als „lebensunwertes Leben“ in die Gaskammern geschickt hatten. Klar auch, dass kleinstädtische Engstirnigkeit und bigotte Verlogenheit dabei ihr Fett abkriegen. Die Hauptrolle jedenfalls spielen nicht die wichtigtuerischen kommunalen Würdenträger, sondern die „Depperten“, die sich als die besseren Menschen erweisen, weil sie die Menschlichkeit gegenüber den Hilflosen nicht verlernt haben. – Zündstoff genug also. Aber auch Sympathieträger der damaligen Zeit wie der legendäre „Roider-Jackl“ kommen im Roman vor, den Späth als „großartigen und nachdenklichen Volksdichter“ bewundert. – Dennoch, das Romanende ist entlarvend und wird nicht jedem schmecken. „Wenn ganz bestimmte Leute sich aufregen, dann trifft´s schon die Richtigen!“ – so der Autor unbeirrt.

Wie Bernd Späth berichtet, hatte er einiges an Mühe, das Werk publiziert zu bekommen: Die deutschen Großverlage lehnten das Manuskript ab. „Zweifellos ist es einträglicher, etwas über die Hämorrhoiden einer Fernsehdame zu drucken, als einen Roman über die gesellschaftlichen Anfänge unserer Demokratie“, meint Späth dazu. „Das Thema dürfte einfach zu heiß gewesen sein, und Courage in deutschen Verlagshäusern… naja.“

Seit Herbst 2011 arbeitet Bernd Späth nun mit dem kleinen Baseler IL-Verlag zusammen. Die Schweizer publizierten bereits im Februar 2012 seinen dritten Arktisroman:

„Gibt es Eis in Oklahoma?“

oklahoma

und bringen im September 2012 noch einen Band mit drei arktischen Erzählungen Bernd Späths heraus, mit dem Titel:

„Mortens langer Marsch“.

morten

Späth ist sehr zufrieden mit der neuen Zusammenarbeit: „Fritz Frey ist ein Verleger voller Rückgrat, der genau solche Manuskripte sucht, die im literarischen Massenbetrieb durch den Rost fallen würden. – Wir jedenfalls haben uns gesucht und gefunden.“

Ob man sich auch in Fürstenfeldbruck über die neuen literarischen Aktivitäten des dort gebürtigen Autors freuen wird, lässt dieser amüsiert dahingestellt. – Nur so viel verrät er: Es ist noch ein dritter FFB-Roman in der Fertigstellung. Und auch der soll spätestens Ende 2013 bei den unerschrockenen Schweizern erscheinen.