Das Schweigen der Quandts

Die Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“ läuft heute Abend (Sa, 05.04.08, 23.15 Uhr) wieder auf Phoenix , hab ich gerade vernommen.

Da ich am 1. Oktober 2007 im alten Twd-Diary schon mal darüber geschrieben habe (und ich nun also nicht mehr drauf verweisen kann, da es wegen des Umstiegs auf das Blog aus dem Netz ist), kopier ich das – zwischen meiner Web-Bastelei – mal fix hier wieder rein:

Man kann sich ja denken, dass große Vermögen nur mit viel Schweinerei zusammengekommen sein können, denn wenn es nur durch Fleiß und harte Arbeit käme, wären viele „kleine“ Arbeitnehmer ebenfalls stinkreich.

Das, was sich die BMW-Quandts geleistet haben, ist – wie der Film zeigt – mehr als atemberaubend und Grund genug, niemals einen BMW zu kaufen, selbst wenn man ihn sich leisten könnte. Normalerweise müsste der Familie das Blutgeld umgehend enteignet werden. Und – ganz klar – die bisher stets arrogant abgewiesenen (wenigen) Überlebenden, die in den Werken der Quandts als Sklave schuften mussten, müssten mit diesem Geld spätestens JETZT augenblicklich entschädigt werden – ebenso wie die Nachkommen der in den Fabriken durch giftige Batteriesubstanzen Vergifteten (was man damals ohne mit der Wimper zu zucken und natürlich ohne Schutzbekleidung oder andere schützende Vorkehrungen für die Arbeitenden – in Kauf genommen hat).

Die Vorfahren der heute lebenden Quandts (die Vererber des großen Vermögens also) haben sich auf ihrem damaligen AFA-(heute VARTA)Firmengelände ein eigenes KZ (Hannover-Stöcken) einrichten lassen, damit sie mit weniger Aufwand stets an Nachschub für die bereits einkalkulierten (und somit akzeptierten !!!) Toten in der Produktion gelangen konnten.
Einfach widerlich. Und das Schweigen darüber, die Ignoranz der Nachfahren ist genauso abscheulich. Denn wer auch heute noch keine Reue und keine Scham über das Verhalten dieser Vorfahren zeigt, wer das auf diese Weise entstandene Vermögen als gottgegebenes Eigentum betrachtet und sich arrogant gegen jede berechtigte Forderung der Geschädigten abschottet, muss einfach ein massives Charakter-Defizit haben.

Wie gut, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht eingeknickt ist und den Film auch heute wieder ausstrahlt, obwohl die Quandt-Familie mit Versuchen, dies zu unterbinden (siehe hier z.B. – das war 2007), bisher offenbar nicht gespart hat.

Von daher ist zu vermuten, dass diese Leute heute nicht anders handeln würden, wenn man mit einer neuen Schweinerei viel, viel neues Geld verdienen und NOCH reicher werden könnte.

Ein schlimmes Beispiel für Kapitalismus, der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht – doch vermutlich (und leider) tatsächlich nur ein Beispiel … 🙁

6 Gedanken zu „Das Schweigen der Quandts

  1. Eveline sagt:

    Uuuuuuuuuh, ich atme mal tief durch….
    So ein Thema ist ja eigentlich nicht das, wo ich mich zu Wort melde…

    Vom Prinzip her magst du recht haben, die Vorfahren haben Fehler gemacht. So weit, so schlecht. (Mir selbst war die Geschichte bisher nicht bekannt)

    Aaaaaaber: möchtest du für einen Fehler verantwortliche gemacht werden oder büßen, den einer deiner Vorfahren gemacht hat?? Womöglich einer, den du nicht mal kanntest???
    Es mag sein, dass das Werk (in diesem Fall) nur deswegen das ist, was es heute ist – aber sollen sie es zusperren? Eine späte Sühne und wieviele Menschen stünden arbeitslos auf der Straße?

    Der Deutschen „ewige Schuld“: ich für meinen Teil (und ich bin auch Deutsche) wehre mich und möchte nicht heute noch und in 50 Jahren immer noch dafür die „Schuld“ tragen, was unsere Vorfahren vor ~60plus Jahren verbrochen haben.

    Es ist, wie du sagst: die „Schweine“ kamen am weitesten – und kommen es noch…

    Und wissen wir nicht heute noch von irgendeinem (zB) Obst aus Asien, welchen Gasen die dortigen Arbeiter ausgesetzt sind? Da war letztes Jahr mal ein Bericht und der fiel mir grade ein – ich hätte niemals gedacht, dass das heute noch möglich ist…… Trotzdem essen wir Bananen….

    Ganz krass: stell wir vor, dein Opa wäre ein Mörder. Kannst DU da was dafür? Kann irgendwer DICH dafür zur Rechenschaft ziehen? Sollst DU dafür büßen?? Bist DU deswegen ein schlechter Mensch?????

    Nichts desto trotz: wenn ich hier Phönix empfangen könnte, würde ich jetzt schauen….

    Ich hoffe, ich hab das jetzt einigermaßen verständlich hingekriegt und wünsche dir einen schönen Sonntag 😉
    Alles Liebe, Eveline

  2. Ulinne sagt:

    Hallo Eveline,
    versteh mich nicht falsch, ich meine NICHT, dass die Nachfahren dieser Verbrecher sich – allein durch die Nachkommenschaft – mitschuldig gemacht haben. Das wäre ja auch noch schöner, wenn sie selbst nichts gemacht haben.
    Etwas Anderes ist es aber, wenn man von dieser Schuld auch heute noch profitiert, den Mantel des Schweigens über alles deckt, sich nicht dazu äußert und den Geschädigten jeden Kontakt und jede Form von Entschädigung verweigert – nach dem Motto: Augen zu und durch, das Geld ist jetzt meins – egal durch welche Schweinerei ich in seinen Genuss gekommen bin, und davon gebe ich nun keinen Cent mehr ab.
    Nur DARUM, also um die Haltung HEUTE geht es mir.
    Immerhin wissen sie, dass ihr Reichtum buchstäblich auf den Knochen von SS-Häftlingen aufgebaut wurde, und wenn dann nach Entschädigung gefragt wird, sollte man so etwas nicht ignorant und arrogant abwimmeln. Allein DAS macht die Schuld der heute Lebenden Quandts aus, aber das ist ja auch schon eine ganze Menge. Unmenschlich – fast wie damals ihre Vorfahren.
    Ich glaube nicht, dass es auch nur einen Arbeitsplatz bei BMW kosten würde, wenn sie als Hauptaktionäre (die sie inzwischen ja nur noch sind) ein bissel weniger in Saus und Braus leben und sich auf Entschädigungszahlungen aus ihrem beträchtlichen Privatvermögen einlassen würden.

    Ansonsten denke ich wie du: Ewige Schuld – auch für nachfolgende Generationen – darf es natürlich nicht geben. Dann müssten ja viele Völker sich auf ewig schuldig fühlen: Die Nordamerikaner wegen der Indianer und der Sklaven, viele europäische Staaten allgemein wegen des Sklavenhandels, wegen brutaler Missionierung, wegen Kolonialisierung in ihrer Geschichte, und, und, und. Das Leben war ja immer schon grausam auf diesem Planeten, weil es in fast allen Nationen grausam-brutale, kriegslüsterne, raffgierige, egoistische, kranke/irre, über Leichen gehende Menschen gab.

    Ich wünsch dir auch einen schönen Sonntag. 😉

    Ulrike

  3. Eveline sagt:

    ok, dazu geb ich dir Recht 😉
    Da befinden sich die Quandts allerdings in großer Gesellschaft…..
    Leider!

    Sonntag in weiß-blau, gleich geht’s raus 🙂

  4. Norbert sagt:

    Hallo Ulinne,
    leider habe ich diesen Blog einen Tag zu spät gelesen und konnte die Sendung nicht mehr ansehen.
    In einem weiteren Kommentar wird die Meinung vertreten, die Nachfahren haben keine Schuld für die Sünden der Väter.
    Wenn Sie aber doch bereit waren, dass Blutgeld entgegen zu nehmen, sind Sie zumindest zur Wiedergutmachung verpflichtet.
    Da gibt es für mich nicht den geringsten Zweifel.
    Ich bin auch der festen Überzeugung, die Nazis von damals sind nicht ausgestorben.
    Gebe man Ihnen nur die Macht, Sie würden die selben Verbrechen wieder und wieder begehen.
    Bei so manchem Politiker habe ich gelegentlich den Eindruck, er würde die Redakteure von Monitor, Frontal ect. verhaften lassen, wenn man Ihm nur die Macht dazu gäbe.
    Ich frage mich, wurde je einer der Quandts für diese Taten zur Rechenschaft gezogen?
    Wenn nicht, warum?

    Norbert

  5. Wolfgang aus Greifswald sagt:

    Hallo liebe Ulrike,
    seit längerem bin ich mal wieder unterwegs im Netz – und so auch mal wieder bei Dir. Ich finde es ganz wichtig, daß öffentlich – rechtliche Sender sich der Aufgabe stellen, solche Sachverhalte darzustellen. Weniger gut ist, daß sie es nur gegen Mitternacht tun, wo nur noch sehr wenige Zuschauer erreicht werden. In der PrimeTime liefern sie sich Gefechte mit dem privaten Radaufernsehen um Einschalt- Quoten mit Flachbildfernsehen.
    Ich denke aber auch, daß es bestimmt soviele Quandts und ähnliche Leute gegeben hat, die die Gegebenheiten während der Hitlerei schamlos ausgenutzt haben. Da gibt es keine namhafte deutsche Firma, die sich nicht zahlreicher Zwangsarbeiter und Häftlinge bedient hat, um ihren Gewinn zu maximieren.
    Das Problem bestand nach dem Kriege und besteht bis heute in der nicht stattgefundenen Aufarbeitung des Hitlerreiches in beiden Teilen D- Lands. Viele Altnazis haben , angeblich geläutert, hohe Ämter in Staat, Militär, Polizei und Justiz bekleidet, hüben wie drüben. Die Gesinnung dieser Leute ließ sich nicht qua Order de Mufti ändern und ein neues Volk wohnte einfach mal nicht in D- Land. So blieb die Entnazifizierung auf beiden Seiten der Elbe halbherzig, denn die Fachleute wurden ja gebraucht. Damit setzte das staatlich verordnete Verdrängen ein – auf der einen Seite mit dem „Wirtschaftswunder“ auf der anderen mit der Neuinstallation der diktatorischen Strukturen nach bewährtem Muster. Das „national“ strich man nur weg vor dem „sozialistisch“ Und was wir derzeit in D- Land erleben, ist eine Renaissance des faschistischen Ungeists – auch auf beiden Seiten der Elbe. Die Nazis treiben ihr Unwesen in Beverstedt wie in Bargischow.
    Das Schlimme ist, daß die auch von namhaften deutschen Industriellen, ich denk da nur an einen Milchproduktehersteller, unterstützt werden.
    Dessen Produkte laß ich auch im Kühlregal stehen. Aber wenn ich alle boykottieren will, die in Nazideutschland kräftig Profit auf Kosten der KZ- Häftlinge und Zwangsarbeiter gemacht haben, kann ich wohl keine deutschen Erzeugnisse mehr kaufen. Die blauweiße Automarke brauch ich nicht unbedingt, mein Auto ist aber aus Wolfsburg(wenn es auch in Brüssel zusammengeschraubt wurde) und da sind auch Zwangsarbeiter eingesetzt worden.
    Nachdenkliche aber trotzdem liebe Grüße aus der schönsten Hansestadt am Ryck vom Wolfgang.

  6. Erich Gengerke sagt:

    Deutlich zu kurz kommen meines Erachtens die militärischen Aktivitäten der Familie Quandt nach dem II. Weltkrig.

    Harald Quandt hatte vergeblich versucht, im Panzergeschäft Fuss zu fassen und dann die Landmine M 31 produziert. Diese Mine ist ein besonders teuflisches Kriegsinstrument, das mit einer ersten Ladung etwa einen Meter in die Luft fliegt, um dann mit einer zweiten Ladung tödliche Splitter zu streuen.

    Quandt produzierte für die Bundeswehr, aber auch für Briten und Amerikaner. Er verdiente nit diesem Gschäft Millionen.

    Diese Landminen tauchten später auch in anderen Krisengebieten, z.B. Somalia auf.

    Man kann davon ausgehen, dass heute noch auch unschuldige Frauen und Kinder durch diese Minen ums Leben kommen.

    (qoogle. Harald Quandt – Minenproduktion)

    Der Champagner, mit dem die Nachfahren Harald Quandts zu ihren Familienfesten anstossen, wird auch aus diesen Geschäften mitfinanziert.

Kommentare sind geschlossen.