Der Fall Clement

Darauf warte ich schon lange, hatte inzwischen gar nicht mehr damit gerechnet, und nun kam die Nachricht doch, und sie erfreute mich: Clement soll aus der SPD ausgeschlossen werden.

Aber schon jaulen seine rechten Seeheimer-Genossen (Kahrs z.B.) auf – diese neoliberalen SPD-Maulwürfe, die man längst allesamt aus der Partei hätte rausschmeißen und in die Partei ihres Herzens (FDP oder CDU) schicken müssen, genauso wie die neoliberalen Kommentatoren – eben bei n-tv, diesem neoliberalen Börsen- und Geldanlage-Gehirnwäsche-Sender, reden von „Unverhältnismäßigkeit“ und „selbstmörderischer Parteientscheidung„, drohen mit „schlimmen Konsequenzen„, dem „Verlust der doch so wichtigen Mitte“ (wer und wo ist die …???) oder „endgültigem Todesstoß“ für die Partei und meinen, so etwas könne man mit einem Mann, der sich 40 Jahre lang „FÜR die SPD eingesetzt“ habe, doch nicht machen …

Was soll Clement getan haben?
FÜR die SPD eingesetzt …???

Na, ich denke doch eher, dass er alles , was er tat, für SICH getan hat – wie zuletzt die Sache mit der Agenda 2010 und den Leiharbeitsfirmen, diesem modernen Sklavenhandel, womit er sich selbst ein feines Nach-Regierungs-Pöstken sichergestellt hat – oder seine Kumpanei mit dem großen Energiekonzern RWE .
Und die Partei hat ihn bei seiner Karriere unterstützt und ihn in die richtigen (lukrativen) Sessel gehievt – nicht umgekehrt!

Besonders kurz vor der Hessen-Wahl hat er nicht für, sondern gegen die SPD gearbeitet – als Lobbyist seiner Energie-Abzocker-Freunde.

Um die Parteien unterscheidbar zu machen und dem politischen Einheitsbrei zu entgehen, (bei dem, der Wähler ZU RECHT nicht mehr weiß, was er wählen soll), sollte man seine ursprüngliche Klientel nie aus den Augen verlieren und seinen Grundsätzen und Richtungen treu bleiben. Das hat die SPD seit Schröder ganz einfach falsch gemacht. Und wenn ein Ex-Superminister, der noch immer Mitglied der SPD ist, in einem TV-Interview explizit betont, dass ER seine SPD-Genossin in Hessen NICHT wählen würde, damit seiner Partei also bewusst vors Schienenbein tritt und ihren Wahlerfolg massiv gefährdet, ist das ja wohl ein kaum zu widerlegender Ausschluss-Grund!
Man beißt nicht die Hand, die einen füttert!
(Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Da sind ja auch noch andere Hände, die Herrn Clement füttern, und die sind ihm wohl wichtiger …)

Ich frage mich überhaupt, weshalb Clement sich gegen diesen Ausschluss wehren will, er dürfte sich mittlerweile selbst doch auch nicht mehr wohlfühlen in der SPD. An seiner Stelle wäre ich längst selbst gegangen und hätte mir ein Beispiel am Herrn Metzger genommen. Aber Herr Clement scheint arrogant, selbst- und herrschsüchtig genug zu sein, sich einen solchen Schritt nicht passiv aufdrücken lassen zu wollen …
Außerdem …, da sind sind ja auch noch seine Seeheimer Maulwurfs-Kumpel, mit denen er sich liebevoll in gemeinsamer Selbstsucht und im gemeinsamen Kampf gegen die ursprüngliche Klientel der SPD, den sogenannten „kleinen Mann„, verbunden fühlen kann. Da kommt dann evtl. auch noch ein Stück Heimatgefühl mit dazu …

Nein, Clement gehört nicht in die SPD, (finde ich schon lange!) – er muss da raus. Vielleicht kommen nach einem solchen Zeichen ja auch einige der mittlerweile vielen, vielen aus der Partei ausgetretenen „kleinen Leute„, die sich in ihrer „Arbeiter-Partei“ zu Clement-, Müntefering- und Schröder-Zeiten nicht mehr aufgehobe fühlen konnten, zurück …

Aber vielleicht ist das alles ja auch wieder mal nur ein wahltaktischer Schachzug der SPD, um gegen den massiven Mitglieder- und Wählerverlust an die Linken und die drohende Bedeutungslosigkeit etwas zu unternehmen.

4 Gedanken zu „Der Fall Clement

  1. Kvelli sagt:

    Ich denke mal, Clement hätte Größe beweisen können, sollen, indem er schon nach seiner Aussage im Hessen-Wahlkampf, von selbst das Parteibuch verbrannt hätte.
    Dieser dämliche Hick-Hack jetzt, ja, da hast Du Recht, der nutzt der SPD gar nix. Ich mag die Linken zwar nicht, aber von denen hätte ich längst erwartet, dass sie auf Clement zugehen und ihm was anbieten. Na ja, allein die Rhetorik von Gysi wird nicht reichen.
    Aber auch nach dem Ausschluss gleube ich kaum, dass sich ehemalige Mitglieder wieder zurückbesinnen und der SPD wieder zustimmen. Dafür haben die vielen abgehobenen sog. Genossen doch viel zu viel verspielt. Und hinzu kommt die Politikverdrossenheit der Jugend. Allein die vielen Mollionen Rentner werden sicher für einen Wahlsieg aus CDU und FDP sorgen.
    Nun denn, ich nehme es erstmal so hin.
    Sei lieb gegrüßt und Jouir la vie
    Kvelli

  2. Ulrike sagt:

    Wenn ich mit einer Sache, der ich mich verschrieben habe, nicht mehr einig gehe – dann ziehe ich Konsequenzen und gehe eben selber. Aaber Parteiausschluß? Sollte da eine demokratische Partei keine anderen Mittel haben, mit Kritikern aus eigenen Reihen umzugehen? – Und welcher der heutigen Politiker sorgt nicht in erster Linie für sich selbst? Sogar die Gewerkschaftsbonzen zeigen nun deutlichst, wo sie sich wohl fühlen (wobei sie schon immer in den Aufsichtsräten ihrer ‚Gegner‘ saßen, nur still und leise …

    Zu AIDS – ich hatte es schon gehört und war und bin fassungslos. Grausamste Wahrheit …

    Liebe Grüße von Ulrike

  3. Richie sagt:

    Wenn man das Buch „Meine Abende mit Sabine Christiansen“ gelesen hat, dann wird einem der Zusammenhang und das Dilemma zwischen Politik und Lobbyismus sehr deutlich. Es ist eigentlich ein Unding, dass Spitzenpolitiker und Mitglieder des Bundestages in Aufsichtsräten oder sonst wo sitzen dürfen.

    Kein normaler Malocher darf einen Nebenjob annehmen, der die Interessen seines Arbeitgebers und seine Arbeitsleistung für diesen beeinträchtigt. Politiker dürfen dies nicht nur, sie sind stellenweise so weit beeinflusst, dass sie an Abstimmungen im Bundestag stellenweise gar nicht teilnehmen oder sie gar in die gewollte Richtung der Konzerne beeinflussen können.

    Man kann sich Querdenker in der Partei leisten. Aber keinen Clement, der nur eigene Interessen verfolgt.

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