Der schwarze Freitag

Die Menschen scheinen tatsächlich dümmer als Affen zu sein, denn sie weigern sich offenbar hartnäckig, aus der Geschichte zu lernen. Jedenfalls hätten die Beteiligten der aktuellen Bankenkrise aus dem Börsencrash 1929 eine Menge lernen können, so sie denn wollten/gewollt hätten.

Klar wurde mir das so richtig, als ich am Wochenende nachts bei Phoenix den Film „Der schwarze Freitag“ mit Curd Jürgens (der Richard Whitney, den damaligen Präsidenten der New Yorker Börse spielte und übrigens ein sehr, sehr schlechter Schauspieler war – wie ich finde) gesehen habe. In diesem Dokumentarspiel wurde die Bankenkrise zu Beginn des letzten Jahrhunderts sehr klar und sogar für Laien wie mich verständlich durchleuchtet und aufgearbeitet.
Dieser Film ist eigentlich ein MUSS für jeden, der mit Finanzen und deren Transaktionsformen zu tun hat: Banker, Finanzjongleure/Zocker, Politiker, Anleger …
Eigentlich ist nämlich alles ganz einfach.

Die Fehler, die man machen kann, sind also seit langem bekannt.
Warum nur macht man sie immer und immer wieder?

Ich schaue gerade – wieder mal auf Phoenix – „Unter den Linden„, wo der unsägliche Prof. Hans-Werner Sinn sich mit Sven Giegold von den Grünen (auch Gründer von Attac-Deutschland) über die aktuelle Krise unterhält und – wie andere vor ihm auch schon – die Schuld an der Krise gern auch den „gierigen“ Anlegern in die Schuhe schiebt, die sich ja gefälligst selbst Gedanken zu machen hätten, ob das, was die Bankberater ihnen erzählen, auch wirklich stimmen kann.

Ja, wo sind wir denn hier?
Nicht mal mehr den „Fachleuten“ kann/soll man vertrauen, und die Klientel gibt es sogar öffentlich zu. Und natürlich liegt die Hauptschuld an den Bankkunden, die so furchtbar gierig sind …
Klar sind auch die Anleger gierig, wollen für sich das Beste herausholen.
Logisch ist aber auch, dass sie den sogenannten Fachleuten, die ihnen z.B. den Lehman-Schrott als 100% sicher aufgeschwatzt haben, das auch gern mal vertrauensvoll abkaufen, wenn es doch angeblich so paradiesisch viel Rendite bringt.
Muss man das nun den „blöden“ Kunden anhängen?
Tragen nicht die blöden „Fachleute“, die nur ihren eigenen Provisions-Profit im Schädel haben und sich weigern, aus der Geschichte zu lernen, die Hauptschuld an diesem Desaster?
Muss ich nun meinem Arzt, dem Fachmann für Gesundheit und Krankheit, nun ebenfalls misstrauen, wenn er mir erzählt, ich sei gesund?
Darf man überhaupt noch Leuten, die ihr Handwerk eigentlich gelernt haben sollten, als Fachleuten vertrauen?
Oder kann man NUR noch komplett misstrauisch durchs Leben rennen und versuchen, am Besten selbst „Fachmann/frau“ in allen Sparten zu werden?

Also wirklich …!

Außerdem … hat jemand von euch bis jetzt schon mal ein DANKE für das immense Hilfspaket, das die Politik den Banken nun zuschiebt, von denjenigen, denen es aktuell aus der Riesen-Patsche hilft, gehört?

Ich nicht.

Vermutlich fühlt man sich durch die Auflagen, die an diese Hilfe (zu Recht!) gebunden sind, sogar noch zu sehr reglementiert …

5 Gedanken zu „Der schwarze Freitag

  1. Hans Kolpak sagt:

    Recht hast Du ja, aber versteht das auch jemand? Mich überkommen langsam Zweifel, bei dem, was ich gestern geschrieben habe, denn vor ein bis zwei Jahren noch wurden die Rufer in der Wüste als Idioten und Spinner abgekanzelt und heute stellen sich die Gutmenschen vor die Mahner und Kritiker, die sie gestern noch verunglimpften. Wendehälse sind das, oder? Hinterher sind immer alle schlau!

    Hans Kolpak
    Jura-Weblog.de

  2. Ulinne sagt:

    Nun ja, Hans – die Zocker und alle, die mit ihnen verdienten, hielten sich vermutlich die ganze Zeit über für „schlau“, weil sie ja mit Casino-Produkten einen Riesenreibach gemacht haben. Logisch, dass da die Parole ausgegeben (und gebetsmühlenartig wiederholt) wurde, dass alle Warner Spinner und Idioten seien.
    Jetzt will man natürlich nix gesagt haben – kennt man ja …

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