Die Elefanten meines Bruders

Erwachsene haben ja oft Migräne. Das kommt, wenn das Hirn nicht mehr so leistungsfähig ist wie bei einem Kind. Dann warten die Erwachsenen auf schlechtes Wetter und bekommen Migräne.

Heute habe ich mich mit einem Buch beschäftigt, das kein trauriges ist, obwohl es zunächst so scheinen mag. Deshalb weise ich an dieser Stelle erst einmal ausdrücklich darauf hin.

Das Buch trägt den Titel:
DIE ELEFANTEN MEINES BRUDERS
und es ist von Helmut Pöll

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Es ist übrigens auch kein Buch nur für Jugendliche, das sollte ebenfalls gesagt sein.

Aber zunächst etwas zum Inhalt:

Billy Hoffmann ist elf und findet es doof, dass zwischen seinem Vor- und Nachnamen kein „Tiee“ steht wie bei einem Amerikaner. „Tiee“ stünde für Trevor oder Timothy, was ziemlich cool wäre. Sein größter Wunsch ist es, mit seinem großen Bruder Phillipp in den Zirkus zu den Elefanten zu gehen.

„Wir wollten ganz vorne sitzen. Wir sind aber nicht in den Zirkus gekommen, weil Phillipp an dem Abend totgefahren worden ist und meine Mutter ihn die Böschung hochgetragen hat und jetzt keine Mäntel mehr anziehen kann. Wegen dem Blut eben, an das sie sich immer erinnert.“

Das ist vier Jahre her. Seine und Phillipps Zirkuskarten hat Billy immer noch und hütet sie wie einen Schatz.

Mit seinen elft Jahren leider er an ADHS.

Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom.

„Das habe ich aber gar nicht“, sagt er. „Ich habe nur viel Energie. Soviel wie ein Fusionsreaktor. Und Kindern mit ADHS darf man nichts tun.“ Deshalb rennt er auch zwanzigmal um die Säule vor der Tiefgarageneinfahrt, bis seine Mutter das Auto geholt hat – und muß zwanzigmal in anderer Richtung zurückrennen, bevor er einsteigen kann.

Die Welt der Erwachsenen erlebt er als willkürlich, scheinheilig und zutiefst verstörend. Auf keinen Fall erstrebenswert. Von Beruf will er später mal Spaziergänger werden, vielleicht auch Raumkreuzerkommandant. Er versteht nicht, warum er in der Schule ausrechnen soll, wie viel Benzin ein Auto für „soundsoviel Kilometer“ braucht, wenn er doch sowieso nur U-Bahn fährt oder sich später mal ins Raumschiff hochbeamen läßt.

Sein Rüstzeug für den Umgang mit der Realität bezieht Billy haupsächlich aus Filmen, die er mit seiner Schulfreundin Mona fast pausenlos sieht. Er ist eine wandelnde Filmdatenbank und antwortet auf die Fragen von Erwachsenen wenn möglich mit Filmzitaten seiner Helden. Das gibt ihm Sicherheit. Aber so verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit immer mehr miteinander.

Als seine Tante potentielle Amokläufer beiläufig „Kochtopfmenschen“ nennt, weil sie in die Luft gehen können wie der Schnellkochtopf seiner Mutter, liefert sie ihm ein folgenreiches Stichwort.
Ab jetzt sieht Billy überall Amokläufer, vor allem in der U-Bahn. Einen von ihnen, einen vermeintlichen Bombenbauer, beschattet er nach der Schule, verfolgt ihn bis zu seiner Wohnung und alarmiert die Polizei über einen bevorstehenden Anschlag am Hauptbahnhof. Die Polizei stürmt die Wohnung, findet aber nur einen harmlosen, verwitweten Rentner.

Damit nimmt Billys Leben eine unerwartete Wende. Seine Familie und der vermeintliche Bombenbauer freunden sich an und der Rentner wird zum väterlichen Freund. Und sehr bald stellt sich heraus, dass der alte Mann einen verunglückten Enkel in Phillipps Alter betrauert, der ebenfalls gerne mit in den Zirkus zu den Elefanten gegangen wäre.

Die Rezensionenz.B. bei Amazon – sind voll des Lobes für „DIE ELEFANTEN MEINES BRUDERS“.
Stellvertretend für alle möchte ich hier zwei kurze Zitate anführen. Einmal das „Fazit“ von Frederik Weitz: „Der Autor hat ein hervorragendes Buch geschrieben, mit großer psychologischer Feinfühligkeit, ohne dass er diese dem Leser auf die Nase drücken muss. Die Geschichte selbst hört sich nicht spannend an, ist es aber, weil man diesen Jungen einfach lieben muss. Man entkommt ihm nicht, nicht seinen Überdramatisierungen und nicht seinem Humor. Nimmt man noch die hervorragende Erzählweise dazu, kann man dieses Buch nur empfehlen.“

Und auch ein paar Sätze des Rezensenten Sky:
D(ies)er leise Ton macht die Handlung aus. Das Auge für’s Detail, die Schlichtheit und Reinheit im Text und die Unberührtheit des Schmerzens, der doch so tief sitzt. „Die Elefanten meines Bruders“ ist kein lautes Werk, welches schreit und rumrennt, sondern hinter seiner Fassade Traurigkeit und Leid versteckt, welches sanft durchscheint.
Das Ende passt sich dem an. Man erwartet es, man denkt es sich ab der ersten Seite, und doch, so wie es kommt, leise und ausklingend, wie eine Befreiung, macht es das Herz schwer und bringt uns ein Lächeln auf das Gesicht
.“

Den Rest kann ja jeder selbst lesen.

Die Elefanten meines Bruders
von Helmut Pöll
Taschenbuch, 262 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (28. August 2012)
ISBN-13: 978-1479102402
EUR 9,96

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2 Gedanken zu „Die Elefanten meines Bruders

  1. Ulla S. sagt:

    Hallo Ulrike,

    mal was ganz anderes.
    Wie geht es eigentlich eurem Patenkind Adena.
    Habt ihr Kontakt zu ihr?
    Kannst du „Plan“ empfehlen?
    Würde mich mal interessieren, da wir auch mit dem
    Gedanken spielen,ein Kind zu unterstützen.

    Liebe Grüße
    Ulla S.

  2. Ulinne sagt:

    Hallo Ulla,
    ja, mal etwas ganz anderes …
    Mit unserem Patenkind Adena haben wir eigentlich nur noch insofern zu tun, dass sie regelmäßig von uns Geld bekommt. Der erste Kommunikationsversuch war so, dass wir von der Antwort kaum etwas verstanden. Erstens war das, was sie in ihrer Landessprache verfasst hatte, handschriftlich ins Englische übersetzt bei uns ankam, und dann noch in einer solchen Sauklaue, dass wir fast nichts verstanden. Das müssen wir uns nicht dauernd antun. Uns reicht da schon der Gedanke, dass sie einigermaßen gut versorgt ist, zur Schule gehen kann und sich vielleicht irgendwann selbst mit uns in Verbindung setzen kann, wenn ihr eignes Englisch gut genug geworden ist. Da hilft die Übersetzung von Plan uns nicht viel …
    Ansonsten gehe ich davon aus, dass Adena das Geld wirklich bekommt. Wirklich kontrollieren können wir das ja nicht, aber ich denke schon, dass Plan das ordentlich macht. Immerhin gibt es ja viele berühmte Leute, die Plan unterstützen und bewerben helfen, und von denen ist sicher schon jemand in einer der diversen Gebiete gewesen und hat sich das angeschaut. Hoffe ich jedenfalls … 😉
    An eurer Stelle würde ich das einfach machen. Ist ein gutes Gefühl, wo man doch ansonsten wenig tun kann. 😉
    Liebe Grüße
    Ulrike

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