Die Milch machts

Also was die „Armut“ von Bauern anbetraf war ich ja bisher immer etwas skeptisch. Besonders dann, wenn einige unserer Nachbar-Bauern mit ihren dicken Mercedes-Autos zu uns auf den Mylopa-Hof gerauscht kamen und ständig jammerten, wie schlecht es ihnen doch ginge.
WIR konnten uns KEIN dickes Auto leisten, und wir waren auch mit Ländereien nicht so gesegnet wie sie.
Von daher haben wir ihnen während ihres Untergangs-Gejammers damals immer nur amüsiert auf die Schulter klopfen können: Ja, ja, du Armer …

Momentan jedoch – finde ich – haben sie Recht mit dem, was sie tun, und sie sollten möglichst lange durchhalten. Man kann eben nicht von der Substanz leben, (die man nun mal nicht so einfach versilbern kann), sondern braucht einen ordentlichen Preis für die eigenen Produkte. Es kann nicht sein, dass einige der großen Discounter nur auf den Preis gucken (die Verbraucher übrigens auch), die Bauern und Milchverarbeitungsbetriebe quasi erpressen, und derjenige, der die wichtigste Arbeit mit der Herstellung der Produkte hat, sieht kaum etwas vom Gewinn, zahlt teilweise sogar drauf, um den Betrieb, der seit vielen Generationen die Familie ernährte, auch für die kommenden Generationen zu erhalten.
Dass einige Bauern aus Deutschlands Nachbarstaaten sich solidarisch zeigen und ihre Milch ebenfalls nicht mehr anliefern, finde ich toll. Ist ja auch klug, in dieser Frage am gleichen Strang zu ziehen und sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Letztendlich werden (hoffentlich) alle etwas davon haben.
Daran, dass angeblich Überangebot und Unterversorgung (wegen der starken Nachfrage in China z.B.) in derart kurzen Zeitabständen so extrem schwankt, kann ich nicht wirklich glauben. Da stimmt doch etwas nicht!

Scheinheilig – die Argumentation des Einzelhandels-Vertreters Pellengahr:
Es sei verantwortungslos, Lebensmittel zu vernichten.

Ach – so etwas ist auf einmal wichtig???

Ja, da erinnere ich mich doch noch gut an die riesigen Gruben, in denen auf Initiative der EU z.B. Tomaten zermatscht und entsorgt wurden, damit sich die Preise auf den Weltmärkten halten konnten – oder andere Vernichtungsaktionen. Da hat sich auch niemand die Frage danach gestellt, ob man die Produkte nicht besser an die Hungernden in der Welt weiterleiten könnte, statt sie einfach zu vernichten und zu begraben.
Wie hatte man denn vor, die Hungernden mit unserer überschüssigen Milch zu beglücken?
Gabs/gibts da schon einen Verteilungsplan?
Lächerlich!
Nichts von dem, was nun in die Güllegrube gekippt wird, wäre jemals bei einem Hungernden angekommen. Ich würde es auch lieber an meine Tiere verfüttern, als es den gierigen Großunternehmen in den Rachen zu schütten.

Man hat auch keine Gewissensbisse, wenn es darum geht, Nahrungsmittel für Biosprit zu missbrauchen, riesige Anbauflächen damit der Produktion von ESSEN zu entziehen und damit Menschen in den Hunger zu treiben.

Ist doch alles taktisches Gequatsche!
Doppelmoral – mal wieder …

Ein Gedanke zu „Die Milch machts

  1. Ulrike sagt:

    Klar hast Du recht, wenn Du die Doppelmoral und Doppelzüngigkeit anprangerst, liebe Ulrike! Aber solange wir Verbraucher das mitmachen, jeden Preis zahlen und dabei jedoch nach billigsten Produkten schreiben, solange wird sich nichts ändern!
    Bereits bei der Preisverdoppelung durch Teuro hätten wir uns wehren müssen – warum dann nicht wenigstens jetzt, wenn uns 30 % mehr Inhalt als Sonderangebot ‚geschenkt‘ werden? Ich kaufe auf jeden Fall im Moment keine Milch, weil ich die Bauern absolut verstehen kann. Und ich wünsche mir, dass noch viel mehr Menschen sagen: ich kann auch mal ohne Milch leben! Soll sich doch ein Herr Müller seine Ecke sonst wohin kleben!

    Die EU als Lebensmittelvernichter und Preistreiber – ein breites Feld, das endlich klare Grenzen braucht!

    Und ich höre mal wieder auf – bevor es hier zur Schimpfkanonade wird. Lieber wünsche ich Dir eine gute Woche – auch ohne Milchprodukte!

    Ulrike

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