Großes Mitleid

Ach ja, ihr Lieben, ich habe Mitleid, großes Mitleid mit den armen Bankern. Es treibt mir regelrecht die Tränen in die Augen – sooo viel Mitleid habe ich. Und ich bin voll des Verständnisses dafür, dass sie nun damit zögern, das großzügig gewährte Hilfspaket der BRD in Anspruch zu nehmen. Nicht nur, weil sie evtl. befürchten müssen, dass der Aktienwert ihres Bankinstituts an der Börse (noch weiter) sinken könnte, wenn sie öffentlich zugeben, bedürftig zu sein – nein, auch weil die Damen und Herren der Vorstandsetagen dann nur noch mit mickrigen 500.000,-EUR jährlichem Einkommen rechnen könnten.
Himmel, wie soll jemand, der Jahr für Jahr Millionen den eigenen Konten gutschreiben konnte, plötzlich mit diesem Bruchteil des Gewohnten über die Runden kommen?? Das geht doch gar nicht!
Wie soll man sich da die nächste Jacht, die nächste Villa, den notwendigen Schmuck finanzieren, und wo soll man in Zukunft seine Kleidung und die der Liebsten kaufen, wenn man nicht mehr einfach bei Dior, Chanel oder anderen bisher bevorzugten Marken ordern kann?

500.000,-EUR im Jahr – das sind ja nicht mal 50.000,-EUR im Monat!! Wie schrecklich! Ja, wie soll das denn gehen??!
Dann ginge es diesen edlen Damen und Herren ja nur noch ca. 143-mal besser, als einem HartzIV-Empfänger in diesem Lande.
Also wirklich … das kann man doch nicht ernsthaft wollen …!
Und schließlich wirft drüben übern großen Teich – völlig zu Recht – der Herr McCain dem Herrn Obama auch vor, dass er die Reichen weniger reich und die Armen weniger arm machen will, und er bezeichnet ihn deshalb mit dem schlimmsten Schimpfwort, das es in den USA geben kann: Sozialist! (Die Endung „…ist“ zeigt schon, dass das nicht weit weg vom „Terrorist “ sein kann …)

Nur gut, dass bisher noch niemand angekündigt hat, es in Zukunft so zu regeln, dass unsere Banker, die es mit ihrer Freude am Monopoly-Spiel ein wenig übertrieben haben, selbst dafür zu haften haben – mit ihrem eigenen Geld. Hach, das beruhigt mich ja doch wieder ein wenig. Spielen wir nicht auch alle ab und zu gern mal ein wenig und freuen wir uns nicht auch über gute Gewinne?
Na bitte.
Gut, falls wir verlieren kommt nicht der Staat und greift uns bei einem Verlust unter die Arme, wir müssen schon selbst alles tragen, wenn wir uns verzockt haben, aber man kann ja auch nicht alle Menschen gleich behandeln. Das wäre ja sowas wie „Sozialismus“, und den wollen wir doch nicht wirklich, oder?

Hoffen wir, dass die armen Banker diese für sie wirklich sehr schlimme Krise gut überstehen.
Und da ist dieser Bericht von Report Mainz doch schon sehr hoffnungsvoll. Hach ja, wenn sie fallen, fallen sie weich. Diese Vorstellung wird mich wieder besser schlafen lassen …