Hunger und Wut

Gestern Nacht von 00:35-01:20 Uhr (passende Zeit mal wieder! *kopfschüttel*) lief im ZDF die Dokumentation „Hunger und Wut“, die auch mich ziemlich wütend gemacht hat.
Ich erspare mir jetzt mal, den Film mit eigenen Worten zu beschreiben, und zitiere hier aus der Beschreibung in meinem TV-Browser-Programm:

Warum die Welternährungskrise kein Zufall ist Film von Petra Schulz

Seit Tagen schallt es durch die Presse, mehren sich rund um den Erdball die Nachrichten über Krawalle, Proteste und Plünderungen von Hungernden, die nur noch Wut im Bauch haben.
Gleichsam über Nacht scheinen die Lebensmittellager leer geräumt, die Felder geben nichts mehr her und von außen kommen auch keine Lebensmittel mehr ins Land.

Was ist plötzlich passiert?

Jahrelang haben 850 Millionen Menschen in der Welt still vor sich hin gehungert, sind leise gestorben und haben nicht die Weltordnung gestört. Was ist bei dieser Hungersnot auf einmal anders?

Zum Beispiel, dass sich die Ernährungskrise nicht mehr nur auf die Armen beschränkt, sondern bis in die Mittelschichten reicht. Und das sind Menschen, die politisch interessiert und teilweise sogar organisiert sind, die jetzt nicht nur der Hunger auf die Straße treibt, sondern vor allem ohnmächtige Wut und Zukunftsangst.

Dabei ist das, was jetzt viele Länder der Erde erschüttert, kein plötzlicher Schicksalsschlag. Es ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses, der nur auf das Wohlergehen der Industrienationen abzielt. Jahrelang sind zwar vollmundige Versprechen der reichen Länder gemacht worden, die Entwicklungshilfe wenigsten auf 0,7 Prozent des jeweiligen Bruttosozialproduktes anzuheben, geschehen aber ist nichts. Im Gegenteil: Viele Länder haben ihre Leistungen sogar noch gekürzt.

Gleichzeitig sind über die Welthandelsabkommen die Regeln so verändert worden, dass viele Produkte aus Entwicklungsländernso gut wie keine Chance auf dem Weltmarkt haben. Und so muss derzeit der Agrosprit als Sündenbock herhalten, ein problematisches Produkt, mit dem aber Entwicklungsländer gutes Geld verdienen können.

Teller oder Tank? lauten die Schlagzeilen. Doch diese Ursachenbehauptung greift viel zu kurz: Ein ganzes Bündel von Gründen lässt sich identifizieren: Missernten bedingt durch die Klimaveränderung, Bevölkerungswachstum, eine extrem gestiegene Fleischnachfrage, eine falsche Subventionspolitik und nicht zuletzt knallharte Rohstoffspekulanten, die auf steigende Lebensmittelpreise wetten. …“

Besonders wütend haben mich in diesem Film die Sequenzen über die Börsenzocker gemacht, die nun auch die landwirtschaftlichen Erzeugnisse als Rohstoffe für sich und ihre Spiel- und Gewinnsucht entdeckt haben. Auf dem Rücken der Ärmsten der Armen Rieseenprofite machen zu wollen, ist ja wohl das Letzte. Für mich sind die Börsen-Casinos Ursache allen Übels. Man sollte sie alle … – da krieg ich so richtig fiese Fantasien …

Aber auch die ignoranten und raffgierigen Unternehmen, die Menschen und die Umwelt, in der sie leben müssen, durch ungeschützten Pflanzenschutz-Einsatz vergiften und schamlos ihre Arbeitskraft ausbeuten – ganz gleich, ob sie mit dem lächerlichen Lohn überleben können oder verrecken (gibt ja genügend, die nachrücken), könnte ich …!

Und WIR freuen uns hier über niedrigste Schnäppchen-Preise, die mit Krankheit, Elend und Tod in anderen Regionen erkauft werden.
Wenn ich daran denke, könnte ich uns auch …!

Ja, ja, ich weiß natürlich, dass es auch bei uns arme Menschen gibt, aber NOCH muss bei uns niemand Erde fressen, um gegen das Hungergefühl anzukämpfen …!

Über die Idee mit der Energie aus Pflanzen hab ich mich vor langer Zeit ja mal gefreut. Ich hielt es für genial, aus Pflanzenabfällen z.B. Biogas/Energie herzustellen. Aber dabei dachte ich wirklich an ABFÄLLE (!!), nicht daran, dass nun große Teile der Ackerflächen, die eigentlich für die Produktion von NAHRUNGSMITTELN für die immer mehr werden Menschen auf unserem Planeten gebraucht würden, komplett für energieerzeugende Pflanzen ver(sch)wendet werden, in einigen Ländern zudem so, dass die armen Menschen, denen der Boden eigentlich zustünde, rein garnichts davon haben, an Pflanzenschutz-Giften sterben oder einfach „nur“ immer ärmer und perspektivloser werden. Da werden z.B. riesige Regenwaldflächen abgeholzt – nur für den Energiehunger der reichen Welt und für den Geldhunger übermächtiger Unternehmen und Spekulanten, die sich einen Dreck darum scheren, dass Menschen dafür sterben müssen. Aber auch die Bauern bei uns haben ja die Dollarzeichen in den Augen und stellen ihre Felder entsprechend um, weil das einfach mehr Geld bringt …

Der Mensch ist tatsächlich das schlimmste Raubtier auf dieser Erde!

NACHTRAG:
Hier kann man sich den Film in der ZDF-Mediathek noch einmal anschauen.

10 Gedanken zu „Hunger und Wut

  1. sue sagt:

    da kann ich mir den link ja schenken, den ich eben einwerfen wollte.
    hab ein gutes, ruhiges WE auf deinem teppich – hier regnet es immer und immer wieder
    LG aus LE 😉

  2. Brigitte sagt:

    „Der Mensch ist tatsächlich das schlimmste Raubtier auf dieser Erde!“
    Falsch, denn das Raubtier jagt, um zu überleben und nimmt sich nur, was es dafür braucht. Der Mensch ist skrupellos und nimmt sich alles, was er bekommen kann, mehr als er braucht, ist gierig und kennt keine Grenzen.
    Das einzige, was beide gemeinsam haben ist, dass sie sich die Schwächsten greifen, die sich nicht wehren können.

  3. wetterhexe sagt:

    Liebe Ulrike,
    als wir in unserer Stadt ein Biogas-Kraftwerk bekamen, wurde plötzlich Mais in rauhen Mengen angebaut. Selbst stillgelegte Flächen wurden offensichtlich wieder genutzt.
    Mir war bei dem Ganzen noch nie wohl. Wie kann man nur Lebensmittel, die anderweitig bitter fehlen, in Energie für die Bequemlichkeit der reichen Welt umwandeln.
    Das ist eine Perversion! Unsere Gesellschaft, in der sich so wenige daran stören, scheint dekadent bis ins Mark zu sein.
    Mit Schrecken denke ich daran, dass dies wohl, wie bei anderen Kulturen, die sie aufgrund ihrer Völlerei überlebt haben, zum Untergang führen muss. Vielleicht ist es auch gar nicht soschade drum…..?

    LG wetterhexe

  4. oh mein gott sagt:

    Dieser Film ist ja wohl das dümmlichste Pamphlet das ich je gesehen habe. Dafür bezahlt das ZDF meine Gebührengelder? Eine Betroffenheitsjournalistin reist um die Welt um ihren Agitprop auf dem Niveau eines rebellierenden sechzehnjährigen Pennälers mit klischeesken Filmaufnahmen Typ „hungerndes Kind“, „gieriger Börsenmakler“, „mutige-von-Che-Guevara-träumende-Campesinos“ zu bebildern. Unterirdisch.

  5. Roland sagt:

    Dieser Film ist das mit Abstand dümmlichste Pamphlet das ich je gesehen habe. Dafür bezahlt das ZDF meine Gebührengelder? Ich bin mit einer kritischen Haltung zu vielen der angesprochenen Punkte ja völlig d’accord. Aber dieser chaotische Quatsch der gestern über den Äther ging, war keineswegs eine Dokumentation. Allenfalls ein „Kommentar“. Dramatische Musik, reisserisch aufbereitete „Fakten“, alles vorgetragen mit dramatischem Timbre aus dem Off… Der Titel Hunger und Wut sagt allerdings schon fast alles. Die Autorin ist wütend, auf wen weiß man nicht so genau, vermutlich „gierige Spekulanten“, aber die Dinge sind in der Wirklichkeit ja auch etwas komplizierter als in diesem Leidens-Porno für Weltverbesserer. Eine Betroffenheitsjournalistin reist um die Welt um ihren Agitprop auf dem Niveau eines rebellierenden sechzehnjährigen Pennälers mit klischee-triefenden Filmaufnahmen Typ “hungerndes Kind”, “gieriger Börsenmakler”, “mutige-von-Che-Guevara-träumende-Campesinos” zu bebildern. Unterirdisch.

  6. Ulinne sagt:

    @Roland/oh mein Gott:
    Wieso das Ganze 2 x und mit zwei verschiedenen Nicks? Dadurch wird das, was du geschrieben hast, auch nicht wahrer … 😉
    Für welche Lobby bist du unterwegs – bzw. welchen persönlichen Konflikt hast du gerade mit Petra Schulz auszutragen …?

  7. Roland sagt:

    2x //Das ist irgendwie bei der Edit-Funktion schiefgelaufen..//

    >> Lobbyist oder persönliche Fehde <<
    Ja ne ist klar… Wenn man mit dem Ton, dem Mangel an Gehalt, und der reisserischen Machart eines derartigen „Dokumentar“-Films nicht übereinstimmt, muss man natürlich entweder für irgendeine finstere Lobby unterwegs sein (vermutlich die „gierigen Spekulanten e.V.“) oder einen persönlichen Groll hegen.

    Abweichende Meinungen sind aber natürlich auch schwer vorstellbar wenn man sich im Besitz der Wahrheit wähnt. Was für ein Weltbild.

    Sagen wir mal die Zusammenhänge sind geringfügig komplexer und die moralische Wertung des Verhaltens der Akteure ein kleines bisschen uneindeutiger als es die Dame des ZDF darstellt, die sich, wie ich gerade nachgelesen habe, offensichtlich durch ein Pädagogik-Studium als Expertin für Internationale Politische Ökonomie qualifiziert.

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