„Ich betone …“

Hat das nicht auch schon ein anderer ehemaliger Politiker so gesagt? Ach nein, er sagte „…, ich wiederhole …“, aber allein diese Verstärkung hat in mir – auch damals schon – das Gefühl geweckt: DAS ist nun aber gelogen!

Sagen wir es mal so: Mein Freund ist Guttenberg nicht. Ich weiß zu wenig über seine wirklichen politischen Einstellungen, denn er äußert sich öffentlich ja nur zu Dingen, die gerade in seinen Aufgabenbereich fallen, und auf Äußerlichkeiten, Adelstitel oder sowas falle ich nicht rein. Ich sehne mich auch nicht nach einem strahlend schönen, jungen „Prinzenpaar“, diesem für viele offenbar erstrebenswerten Hauch von Glanz und Monarchie in Deutschland. Deshalb verstehe ich den Hype der vergangenen Monate um ihn auch nicht.
Doch … seit er zugegeben hat, dass die Bevölkerung in unserem Land nicht blöd ist und die Dinge einfach falsch interpretiert – nein, seit er eingestanden hat, was alle schon wussten, dass nämlich das in Afghanistan nicht nur wie Krieg aussieht, sondern auch tatsächlich einer ist, sieht es mit meinem Wohlwollen für ihn schon ein kleines bissel besser aus. Endlich mal einer, der Klartext redet, hab ich gedacht.

Tja, aber das mit dem Klartext ist so eine Sache, wenn es einen selbst betrifft, und wenn er sich nicht einfach selbst rigoros – wie zuvor andere Leut – vom Dienst suspendieren kann oder will. Da ist er offenbar an seine eigenen inneren Grenzen gestoßen und muss nun schauen, wie er das irgendwie wieder in die richtigen Bahnen bekommt, um auch vor sich selbst bestehen zu können. Eigentlich ist das – so, wie die Dinge vermutlich gelaufen sind – unmöglich, und ich kann mir bestens vorstellen, wie es während der letzten Tage in ihm aussah, (der muss total durch den Wind sein), allerdings kann er sein inneres Chaos nach außen hin recht gut überspielen und weglächeln, was in mir zusätzliche Zweifel an seiner Ehrlichkeit weckt …

Ein wenig Hoffnung bleibt mir jedoch. Manche Situationen muss man eben erst selbst fühlen, wenn man verstehen will. Vielleicht macht ihn diese bedrückende Phase seines Lebens etwas weiser, verständnisvoller, weitsichtiger, erwachsener, weniger selbstsüchtig und – vor allem – demütiger. Vielleicht fallen seine kommenden Entscheidungen, wenn sie Andere betreffen, weniger taktisch, mediengeil, rigoros und drastisch aus.
Auf einen neuen Verteidigungsminister nach dem Strickmuster von Jung hab ich jedenfalls absolut keine Lust, selbst wenn auch Guttenberg ganz offensichtlich nicht der Ehrlichste ist. Aber welcher Politiker ist das schon? …

Nachtrag:
Ein interessanter Beitrag – Link dazu hier gefunden …

Nachtrag 2:
Je mehr ich über diesen Herrn erfahre (z.B. auch hier wo über seine geschönte Vita berichtet wird), umso untragbarer finde ich diesen Mann, und umso unverständlicher ist mir, dass er noch immer einen so hohen Rückhalt in der Bevölkerung hat. Aber das mag daran liegen, dass diese Menschen die Augen verschließen und sich einfach nicht intensiver informieren wollen, weil sie ihren Traum vom strahlenden Politiker-Helden nicht verlieren wollen – vielleicht auch, weil sie Mitleid mit ihm haben. Auch mir ging es – was den letzten Punkt anbetrifft – ein bissel so, doch das finde ich mittlerweile völlig unangebracht …

2 Gedanken zu „„Ich betone …“

  1. Norbert Reiners sagt:

    Hallo Ulinne,
    Möchte mich kurz zu Deinem Thema „Guttenberg“ äußern.
    Gestern bei Maischberger:
    Ich war schon ein wenig erschüttert, dass 87 % des Volkes (oder der Bildleser) die Verfehlungen von Guttenberg akzeptierten.
    Welchen Wert hat eine solche von der Bildzeitung geführte Umfrage?
    Ist es nicht das selbe Volk, dass einst auch laut mit „Ja“ geantwortet hat, auf die Frage „Wollt Ihr den totalen Krieg“

    Wieso prahlt die CDU plötzlich mit des Volkes Stimme?
    War die CDU nicht immer gegen Volksabstimmungen, wenn es um die Durchsetzung von neuen Gesetzen geht?

    Hoffe es geht Dir gut
    Norbert

  2. Ulinne sagt:

    Hi Norbert,

    ich halte das BILD-Ergebnis für ein reines Fantasieprodukt, online sieht es ja ganz anders aus. Aber was tut man nicht alles, wenn ein lukrativer Auftrag dieses Herrn winkt. Ja, und wer weiß, was BILD sich sonst noch so von ihm verspricht.

    Ja, mir geht es (wieder) gut. 😉
    Gruß
    Ulrike

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