13 Gedanken zu „Iran

  1. Silberling sagt:

    Bei der Situation im Iran bin ich sehr vorsichtig.
    Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist niemand, den man so unbedingt in sein Herz schließen würde, aber der extreme Propagandadruck der USA führen ja ständig zu sehr bewussten Übersetzungsfehlern, die seine Worte seltsamerweise immer wieder dahin verdrehen, wo die USA und Israel ihn gerne hätten. Und die Freiheit die du vielleicht meinst, will die westliche Welt dort gar nicht. Die wollen nur das Öl und Gas aus dem kaspischen Meer billig abschöpfen. Schon der Schah von Persien, der der sich jetzt schon wieder lauthals meldet, hat während seiner Regentschaft das Öl schon an die westliche Welt billig verschleudert. Selbst die 3 Millionen angeblich überzähligen Stimmen, könnten das Wahlergebnis nicht drehen. Man sollte als Demokrat schon die Wahl anerkennen. 62% für Ahmedinejad, selbst 51% hätten gereicht. Nur weil es der Oposition in Teheran die Wahl nicht gefällt, ist sie noch lange nicht ungültig. Wie gesagt ich bin kein Freund von Ahmedinejad, aber ich beuge mich als Demokrat immer der Mehrheit.
    Auf die deutschen Medien ist in dieser Situation überhaupt kein Verlass, dass haben sie eindrucksvoll mit ihrer einseitigen Berichterstattung über Georgien bewiesen. Ich erinnere nur an die Farce in der ARD mit dem Putin-Interview.

  2. Ulrike/Ulinne sagt:

    Aber Silberling, der Schah von Persien LEBT doch gar nicht mehr. 😉
    Der, der sich da zu Wort gemeldet hat, ist sein Sohn, der damals noch ziemlich klein war.
    Und was die Wahlfälschungen anbetrifft:
    Heute Morgen wurde in den Nachrichten erzählt, dass der Oppositionsführer direkt nach der Wahl mitgeteilt wurde, er habe die Wahl gewonnen, so dass er bereits an seiner Siegesrede gebastelt habe. Kurz darauf erst habe man ihm gesagt, er KÖNNE die Wahl nicht gewonnen haben, das ginge nicht …
    Dann erzählte eine Iranerin in einer Gesprächsrunde, in Bezirken, in denen es allein 400.000 Wahlhelfer für die Opposition gegeben habe, solle es angeblich nur 200.000 Stimmen für die Opposition gegeben haben. So etwas summiert sich, wenn mans aufs ganze Land hochrechnet.
    Und was die Fotos und die Berichterstattung der BBC angeht:
    Die Fotos sind nicht gleich. Achte mal auf den runden Wohnturm im Hintergrund. Da sind ganz andere Fenster geöffnet.
    Was die westlichen Medien drehen, weiß ich nicht, sicherlich gibt es da auch westliche Interessen, die die Situation im Iran nun gern ausnützen, jedenfalls habe ich hier aber auch von Pro-Ahmadinejad-Demos gehört und gesehen (natürlich gibts auch genügend religiös verblendete Leute dort), das wurde hier in den Medien also nicht völlig unter den Tisch gekehrt.
    So wie die Mullahs da mit ihren Aussagen herumeiern, glaube ich SCHON, dass die Wahl dort nicht einwandfrei gelaufen ist.
    Bin gespannt, wie das endet …

  3. Wolfgang aus Greifswald sagt:

    Liebe Ulinne, ich hätte lieber gestern als heute gesehen, daß Ahmadinejad abgewählt würde, schon weil der so vehement gegen Israel hetzt und mit Militärschlägen droht, mit Atomwaffen protzt, die er hat oder auch nicht. Aber selbst wenn Musawi 10% mehr Stimmen hätte, würde er nicht Wahlsieger. Wenn es Wahlfälschungen waren, würde Ahmadinejad jetzt auch wissen, daß er ohne diese auch die Wahl gewonnen hätte. Beim nächsten Mal dann eben. Wir können in D-Land oder wo auch immer in der „westlichen“ Welt nicht unsere Demokratievorstellungen auf alle anderen Länder dieser Welt projizieren wollen. Das wird von den dort Wohnenden zu Recht als Einmischung gewertet und im Ergebnis gibt es Krieg wie wir seit Jahren im Irak und in Afghanistan sehen. Die USA sind mit Präsident Obama offensichtlich auf dem Weg, ihre Weltpolizistenrolle aufzugeben und wir in D-Land sollten uns auch in Bescheidenheit üben beim Umgang mit Ländern, deren Führer uns nicht wirklich genehm sind. Es steht uns einfach nicht an. Menschenrechtsverletzungen werden überall begangen – und sollten egal wo sie begangen werden mit denselben Ellen gemessen werden. Aber es wird auf dem Iran herumgedroschen, während vor China gekatzbuckelt wird. Iran, Irak und China beispielsweise sind in den Medien jederzeit präsent, aber wer spricht von den vielen Folterungen, Morden und Vergewaltigungen im Kongo, an der Elfenbeinküste und im Tschad? Das sind keine lukrativen Märkte und begehrenswerte Einflußsphären für den „Westen“.
    Bloß wer hat schon die „richtige“ Lösung, die den Leuten vor Ort gerecht würde. Da kann ich nur an Gottes Allmacht zweifeln.
    Ganz liebe Grüße aus der sommersonnenhellwarmwindigen Stadt am Meer vom Wolfgang.

  4. Elke / Mainzauber sagt:

    Hallo Ulrike,
    ich finde es auch schwierig, die Situation im Iran zu beurteilen.Ich möchte dort nicht leben, ich möchte in keinem fundamentalistisch-islamischen Land leben. Aber so plakativ zu formulieren: Stop the Mullahs – das ist mir doch zu einfach. Die Berichterstattung in unseren Medien war sehr merkwürdig, weil sehr unterschiedlich in Bezug auf Ayatollah Chameini. Auch Mir Hussein Mussawi ist ja kein unbeschriebenes Blatt. Wie auch immer – mir wäre ein nicht theokratischer Iran auch lieber. – Aber guck dich mal vor unser unmittelbaren Haustür um:ich denke an Italien, wo fast unbemerkt vom übrigen Europa unter Berlusconi der Faschismus wieder erstarkt. Ich habe da eine Fernsehsendung gesehen, die hat es mir kalt den Rücken runterrieseln lassen (siehe auch mein Blog unter „Bella Italia“). Wir halten uns in Europa für ach so demokratisch und sind selbst offenbar immer wieder bereit auf Idioten herein zu fallen.
    Lieben Gruß
    Elke

  5. Ulrike/Ulinne sagt:

    Nun ja – von mir aus könnte es auch Aufkleber geben, auf denen steht: „Stop the pope“ – oder „Stoppt alle religiöse Staatsgewalt“, weil ich finde, dass man auf diesem irrationalen Märchenkram keine staatliche Macht begründen kann …

  6. Wolfgang aus Greifswald sagt:

    Hallo liebe Ulrike,
    gestern nacht hab ich noch einen Film gesehen(auf der ARD, die sowas bewußt in der Nacht zeigen, damit wirklich kaum noch jemand das sieht!) über ein Gerichtsverfahren im Iran, in dessen Folge ein 16jähriges Mädchen hingerichtet worden ist, was selbst im Iran unzulässig ist. Sie ist von einem 52jährigen Taxifahrer vergewaltigt worden! Ja da fällt einem doch nichts mehr ein. Der Richter verurteilte sie wegen unzüchtigen Verhaltens – der vergewaltiger wurde auch verurteilt – zu 100 Peitschenhieben – von denen der sich wie selbstverständlich freikaufen konnte. Und das junge Mädchen wurde an einem Autokran aufgehängt.
    Dazu kommt, daß es im Iran wohl usus ist, daß junge Frauen in Gefängnissen von den sog. Sittenwächtern reihenweise mißbraucht werden.
    Das ist wohl ein Problem, bei dem es egal ist wie der Führer heißt. Das wird wohl auch ein Herr Musawi nicht ändern wollen, darauf beruht ja auch seine Macht.
    Religiöse Fanatiker haben sich schon zu allen Zeiten an den Wehrlosesten vergriffen, sie zu Sündenböcken erklärt und in die Wüste gejagt.
    Die „Heilige Inquisition“, diese Schar von dienst- und machtgeilen Dominikanermönchen hat es in Europa geschafft, hunderttausende überwiegend Frauen zu vernichten und mit ihnen ein reichhaltiges Wissen über Heilkunst, Energiearbeit und Pflanzenheilkunde. Die sind damals keinen Deut besser gewesen als die, auf die sie heute mit Fingern zeigen.
    Und wenn ich an die „Evangelikalen“ in den USA denke, die würden, wenn sie könnten noch heute Homosexuelle aufhängen.
    Alle religiöse Staatsgewalt stoppen – da geh ich mit! besser heute als morgen.
    GLGr aus der sommersonnenwarmen Stadt am Meer vom Wolfgang.

  7. Ulrike/Ulinne sagt:

    Ja, es ist unglaublich, Wolfgang, was die „Religiösen“ sich Kraft ihrer selbst definierten Macht erlauben und wie sie mit zweierlei Maß messen. Unfassbar, dass die Menschen dieses Unrecht nicht sehen und diese Verbrecher nicht vom Hof jagen, ihnen nicht mehr erlauben, über sich und ihr Leben zu herrschen!
    Da sind wir uns mal wieder einig.

  8. Silberling sagt:

    Nochmal zur BBC, die haben sich sogar entschuldigt, also ihren Fehler zugegeben!
    Und einen Artikel den mal lesen sollten, steht in der Süddeutschen.de.
    Der irrationale Märchenkram ist leider Bestandteil des Problems. Wie ist es zu schaffen, das ein ganzes Volk seine tausend Jahre alte Relegion aufgibt. Das klappt ja nicht mal in Deutschland, wenn man sich mal der Schwierigkeiten der Buskampagne anschaut.
    P.S. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

  9. Ulrike/Ulinne sagt:

    OK, Silberling. Da du mich hier schon länger besuchst, weißt du ja, dass ich im Prinzip auch westlichen Medien nicht recht traue. Von daher verwundert mich ein neuerlicher Versuch eigentlich nicht – so traurig das auch ist …
    Aber den Veröffentlichungen dieses Mullah-Regimes (im Grunde JEDER Diktatur) traue ich NOCH weniger.

  10. Ulrike/Ulinne sagt:

    Und nochwas, Wolfgang, nach einem Nachrichten-Bericht eben im TV, in dem davon berichtet wurde, dass wieder ein paar religiöse Fundamentalisten (ich weiß nicht mehr in welchem Land, aber es waren christliche Fundamentalisten) bei Frauen – auch Schwangeren und Minderjährigen – in die Schlafzimmer eingedrungen, sie betäubt und vergewaltigt hätten, bin ich davon überzeugt, dass es diesen „Extrem-Gläubigen“ nicht wirklich um ihre Religion geht, sondern einzig und allein um die Macht, die sie durch sie auf ihre Umwelt ausüben können. Das hat alles mit den Zielen der eigenen Religion nix aber auch garnichts zu tun, das ist purer Egoismus und Macht“geilheit“ – im wahrsten Sinne des Wortes.

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