Let’s make money

Das haben wir ja oft. Wichtige Filme laufen spät abends bis nachts.
Für mich kein Problem, da ich ohnehin lange wach bin, aber an den „Normalos“ laufen wichtige Informationen für gewöhnlich vorbei, da sie morgens früh raus müssen, um rechtzeitig in ihr Arbeits-Rädchen zu kommen und sich für Hungerlöhne von ihren Arbeitgebern aussaugen zu lassen.

letsmakemoney

Am Dienstag Abend lief in der ARD von 22.45 bis 0.30 Uhr Let’s make money, ein Film desÖsterreichers Erwin Wagenhofer, der auch schon „We feed the world“ gedreht hat.

Menschen, die sich für solche Dinge ohnehin interessieren, wissen zwar schon einiges über das System, das nur wenige reich macht und sich aus der Armut und Ausbeutung anderer speist, aber es war schon schockierend, alles einmal in dieser komprimierten Form und übersichtlich auf den Punkt gebracht anschauen zu können/müssen und zynische Konzernchefs über die Notwendigkeit niedriger Löhne zur Gewinnmaximierung fabulieren zu hören.
Interessierte mit viel Zeit (so wie ich) haben schon etliche Dokus über das System des möglichst freien, unregulierten Geldflusses gesehen (in der Regel immer wieder gern spät am Abend!), ein System von Privatisierung, die die Staaten ausplündert und in Schuldenfallen treibt, und auf die leider viele Politiker auf der Suche nach Sanierungsmöglichkeiten ihrer klammen Kassen hereingefallen sind, und für die die Steuerzahler – also wir alle – heute teuer bezahlen müssen.
Die Gesellschaft wird enteignet, damit einige wenige sich die Taschen vollstopfen können. Und die Politik spielt mit, denn Politiker denken nur in zeitlichen Dimensionen, die sie selbst – und damit den begrenzten Zeitraum ihrer Macht – betreffen. Nach ihnen die Sintflut …

Hermann Scheer, Bundestagsabgeordneter (ich liebe diesen authentischen Politiker und bin ihm sehr dankbar, dass er in seinem Engagement – trotz allen Gegenwindes – noch nicht aufgegeben hat!), sagt dazu:
Privatisierung kommt von privare, ein lateinisches Wort mit der Bedeutung ‚berauben‘. Wenn nun eine Privatisierung stattfindet, dann werden Gemeinschaftsgüter von privaten Interessenten aufgekauft – oder sogar verschenkt … und das ist nichts anderes, als eine Beraubung der Gemeinschaft.“

Übel wurde mir bei Sprüchen wie denen des Dr. Mark Mobius, Präsident von Templeton Emerging Markets:
Ich glaube nicht, dass ein Investor verantwortlich ist für die Ethik, für die Verschmutzung oder das, was eine Firma verursacht, in die er investiert. Das ist nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist zu investieren und Geld für seine Klienten zu verdienen.“
Es gab einen berühmten Ausspruch, dass die beste Zeit zu kaufen ist, wenn das Blut auf den Straßen klebt. Ich füge hinzu: Auch wenn es dein eigenes ist. Denn wenn es Krieg, Revolution, politische Probleme und Wirtschaftsprobleme gibt, dann fallen die Preise von Aktien und jene Leute, die an diesem Tiefpunkt kauften, haben jede Menge Geld gemacht.“

Ekelhaft …

Gerhard Schwarz, seit 14 Jahren Leiter der Wirtschaftsredaktion der Neuen Zürcher Zeitung erzählt davon, dass das System des Aussaugens der Bevölkerungen und des Geld-Kumulierens von langer Hand geplant wurde:
Das Ziel der Gründer war“, so Schwarz, „ein intellektuelles Netzwerk aufzubauen. Man wollte nicht in die Politik hineingehen, sondern mit Ideen die Politik beeinflussen. Berühmt wurde die Mont Pelerin Society dann in den 80er Jahren mit Ronald Reagan. In seiner Regierung und in seinem Beraterteam waren viele amerikanische Mitglieder der MPS, man spricht von streckenweise 20 oder mehr Mitgliedern, und etwa zur gleichen Zeit hat natürlich auch Mrs. Thatcher sich stark auf die Ideen von Friedrich August von Hayek und von verschiedenen britischen Mitgliedern der MPS gestützt.“

John Christensen, Finanzökonom und ehemaliger Wirtschaftsberater der Regierung des Steuerparadieses und der Geld-Waschküche Jersey, erklärt, warum die „City of London“ zum größten Finanzzentrum der Welt wurde:
Noch entscheidender war, dass die Banken die Möglichkeit erhielten, viele ihrer Transaktionen ‚offshore’ abzuwickeln, an Finanzplätzen wie Jersey, Guernsey oder der Isle of Man und noch einige in der Karibik wie die Kaiman-Inseln und die britischen Jungferninseln. Das Ziel bestand darin, es britischen Banken zu ermöglichen, Kapital aus der ganzen Welt in die City of London fließen zu lassen und ihr dadurch Zugang zu preiswertem Kapital zu ermöglichen.“

Kein Wunder also, dass England sich auch heute noch immer – trotz aller Finanzkrisen – einer Regulierung der Finanzmärkte verweigert.

Ganz schlimm aber fand ich, was John Perkins, ehemaliger „Wirtschaftskiller“ (Economic Hit Man) des US-Geheimdienstes, erzählte:
Wirtschaftskiller suchen ein Land mit Ressourcen aus, mit denen unsere Firmen arbeiten. Erdöl zum Beispiel. Dann arrangieren wir einen riesigen Kredit für das Land von der Weltbank oder einer ihrer Schwesterorganisationen. Doch dieses Geld kommt nie in diesem Land an. Stattdessen fließt es an unsere Firmen, die dafür riesige Infrastrukturprojekte in dem Land abwickeln. Dinge, die wenigen Reichen in dem Land nützen sowie unseren Firmen. Doch den meisten Menschen bringen sie nichts, weil sie zu arm dafür sind. Doch die arme Bevölkerung muss nun riesige Schulden abtragen, so riesig, dass sie sie niemals zurückzahlen können. Doch bei dem Versuch, die Schulden zurück zu zahlen, kommen sie in eine Lage, wo sie sich weder Gesundheits- noch Ausbildungsprogramme leisten können.
So sagen die Wirtschaftskiller zu den Leuten: Ihr schuldet uns viel Geld. Ihr könnt eure Schulden nicht bezahlen, also zahlt uns in Naturalien. Verkauft euer Öl billig an unsere Ölfirmen, stimmt bei der nächsten kritischen UNO-Abstimmung mit uns. Unterstützt unsere Truppen, z.B. im Irak.
Auf diese Art und Weise gelang es uns, dieses Imperium zu schaffen. Denn Tatsache ist: Wir schreiben die Gesetze. Wir kontrollieren die Weltbank. Wir kontrollieren den Internationalen Währungsfonds. Wir kontrollieren sogar die UNO in hohem Maße. Wir schreiben also die Gesetze. Insofern tun Wirtschaftskiller nichts Ungesetzliches. Ländern große Schulden aufbürden und dann eine Gegenleistung verlangen, ist nicht verboten. Es sollte verboten sein, ist es aber nicht
.“

Mehr dazu hier, eure Nackenhaare werden sich kräuseln, und ihr wisst spätestens jetzt, weshalb der Irak-Krieg angezettelt und Saddam Hussein gestürzt wurde. Hätte er die „Spielregeln“ eingehalten, würde man heute noch immer gern Handel mit ihm treiben.
Schweinebande!

Dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden, ist wohl den meisten bekannt, aber Demos mit der Überschrift „Wir zahlen nicht für eure Krise “ dürfte einigen Ferkeln nur ein müdes Lächeln entlocken, denn sie können ungehindert weitermachen wie bisher … 🙁

Aber lest selbst, dann könnt ihr euch mit mir zusammen aufregen. Ohnmachtsgefühle …