Liebe Diebe und Einbrecher

Man sieht, liest und hört ja mal wieder viel von euren Aktivitäten – von wegen „dunkle Jahreszeit“ und so, da könnt ihr ungestörter „arbeiten“ – ist klar.

Sicher habt ihr momentan keinen anderen „Job“, oder ihr habt einen, könnt aber nicht davon leben. Dann versteh ich sogar ein ganz kleines bisschen, dass ihr euch irgendwie überlegen müsst, wie ihr über die Runden kommt, und euch letztendlich zu solchen Sachen entschließt – auch wenn ihr dazu euren inneren Schweinehund überwinden müsst, der euch sagt, dass man sowas ja eigentlich nicht macht

(Falls ihr Diebe, Betrüger und Einbrecher seid (organisiertes Verbrechen, Mafia und so weiter), die eigentlich genug zum Überleben haben, aber trotzdem anderen Leuten die Sachen klaut, seid ihr NICHT diejenigen, die ich hier anspreche, denn bei Leuten, die einfach nur NOCH reicher werden wollen als sie es eh schon sind, hab ich überhaupt kein Verständnis, wenn sie das mit kriminellen Mitteln versuchen.)

Aber euch anderen, die ihr sowas aus Not und Verzweiflung macht und einfach nur überleben wollt, möchte ich doch mal sagen, dass ihr in der Regel die Falschen erwischt.
Nur mal so als Beispiel:
Omas mit kleinen Renten, denen ihr auf der Straße die Tasche wegreißt, Zeitungsausträger überfallen und ausrauben, die, um sich und ihre Familie über Wasser zu halten und ein bisschen dazuverdienen müssen, frühmorgens losziehen müssen, oder Leute auf Weihnachtsmärkten, die auch nicht viel besitzen und sich nicht viel gönnen können – außer mal einen kleinen Schnupper-Spaziergang übern Markt, denen ihr aber trotzdem – ohne lange nachzudenken – die Geldbörse aus den Taschen zupft, wenn die nicht genügend aufpassen.
Auch die kleinen Häusle-Besitzer haben es nicht immer so dicke. Viele quälen sich mit hohen Belastungen und viel zu kleinen Einkommen herum, vielleicht sind sie mittlerweile sogar arbeitslos geworden und wissen nicht, wie sie die Raten für die nächste Hypothek bezahlen sollen. Wenn ihr denen nun auch noch das Haus leerräumt, haben sie garnix mehr.
Das ist doch nicht Sinn der Sache, und das wollt ihr doch nicht wirklich, oder?

Wenn es euch echt so schlecht geht, dass das Beklauen anderer armer Leute euch als einziger Ausweg erscheint, dann kann ich nur sagen:
Lasst den Quatsch! Schließt euch endlich zusammen, lasst das mit diesen dummen Einzelaktionen (oder Aktionen kleiner Cliquen). Es gibt doch jede Menge von euch, ihr seid nicht allein in dieser Not. Gründet eine eigene Organisation oder sowas und kämpft gemeinsam dafür, dass es euch besser geht. Seid DA doch mal so mutig und engagiert wie ihr es beim Klauen seid. So viel Mut ist doch eine enorme Leistung. Also … ICH würde mich das NICHT trauen.
Setzt euren Mut und eure Energie konstruktiv ein: Geht auf die Straße, schreibt an Politiker, wendet euch an die Presse. Lasst nicht nach damit! Seid einfach mal laut und macht auf euch aufmerksam!

SOWAS will ich über euch hören, sehen oder lesen – nicht dass da schon wieder eine arme alte Dame, ein bescheidener Hausbesitzer von euch beklaut wurde oder jemand sonst, dem es auch nicht (viel) besser geht als euch.

Also … macht hin …

6 Gedanken zu „Liebe Diebe und Einbrecher

  1. Yves sagt:

    Diebstahl, egal in welcher Hinsicht, finde ich persönlich abstoßend. Okay, armen Leuten etwas zu entwenden ist abstoßender als wenn man es bei Reichen tut…aber es kommt auf das Gleiche hinaus.

    Diebe können nur froh sein, dass es so gut wie keine Selbstjustiz mehr gibt, sonst würden vielen von denen ohne Hände herumlaufen.

    Wenn man aus Not heraus stiehlt, so klaut man Klamotten oder Essware – alles Andere sehe ich zur persönlichen Bereicherung.

  2. Ulinne sagt:

    War auch eher als bittere Satire gedacht, Yves.
    Ich hatte gerade eine Dokumentation über ein paar Leute gesehen, die vor Angst kaum noch ruhig schlafen können, weil sie überfallen und ausgeraubt worden waren, und mich sehr darüber aufgeregt, dass man ihnen – zumal sie auch selbst kaum etwas besitzen – so etwas Schreckliches angetan hat.
    Ich glaube, wenn man das mit jemandem getan hätte, der andere übern Tisch zieht und stinkereich ist, hätte es mich weniger berührt, selbst wenn ich es auch dann so natürlich nicht in Ordnung fände …

  3. Yves sagt:

    ach so…ich befinde mich momentan stressbedingt in meiner schwarz-weiß Welt. Grauzonen wurden durch meinen Alltag wieder einmal durch fest definierte Logik ersetzt.

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