Manager in Bedrängnis

Ach, ich liebe sie, die Franzosen – dafür, dass sie sich nicht alles gefallen lassen und energisch für sich kämpfen! Ganz anders als die meisten Deutsche mit ihrer Büttel- und Untertanen-Mentalität.

Zum dritten Mal haben französische Arbeiter, diesmal beim US-Baumaschinenherstellers Caterpillar, ihre Manager in „Haft“ genommen.

Gut, das ist – streng rechtlich genommen – „Freiheitsberaubung“ und wird möglicherweise irgendwann auch bestraft, aber welche Strafe steht auf „Existenzvernichtung“ durch hemmungslose Entlassungen? …

Wird Zeit, dass diese Herrschaften merken, dass sie sich nicht mehr alles erlauben und mit den Menschen spielen können, wie es ihnen gerade in den Kram und in die Bilanzen passt!

6 Gedanken zu „Manager in Bedrängnis

  1. Richie sagt:

    Der Deutsche ist schlichtweg zu anständig. Man muss ja nicht gleich einen Mangager entführen. Aber wenn auf einer Betriebsversammlung, nach der Ankündigung man werde 150 Mitarbeiter entlassen, auch noch geklatscht wird, dann denke ich, ich bin im falschen Film. Selbst in Schockstarre applaudiert der Deutsche noch seinem Henker!

    Als Betriebsrat kotzt es mich derzeit sowieso an. Jeder darf alles fordern, tarifliche Leistungen werden selbstverständlich als „kannmanmachenmussmanabernicht“ behandelt und wir müssen nahezu täglich dafür kämnpfen, dass die Einschnitte nicht noch größer werden. Die Zeiten, in denen wir Bedingungen VERBESSERT haben, sind seit Jahren vorbei!

    Richies letzter Blogeintrag: Ursache gefunden!

  2. Ulrike/Ulinne sagt:

    Hättest „anständig“ in Anführungszeichen setzen sollen, Richie, denn für mich ist das Rückratlosigkeit und Unterwürfigkeit. Aber ich weiß auch, dass 1-2-3 Selbstbewusste und Mutige in einem Betrieb auch nix reißen können. Die Mehrheit nickt halt alles ab, auch wenn es zu ihrem Nachteil ist.

    Nee, ich glaub auch, besser wirds nicht – zumindest nicht in absehbarer Zeit …

  3. Wolfgang aus Greifswald sagt:

    Guten Morgen liebe Ulinne, in Haft genommen gehören nach meinem Dafürhalten die Manager der HypoReal Estate und ähnlicher Institute, die mit Spielkasino- Methoden Milliarden und abermilliarden Euros verzockt haben. Gegen das, was da jetzt zutage tritt waren die irgendwann letztes JAhr an Lehman- Brothers überwiesenen 300 Millionen Euros ein Möwenschiß.
    Aber D-Land schenkt an genau solche Herrschaften kräftig aus – nämlich aus der Kanne mit unseren Steuergeldern. Und wenn wirklich mal ein Manager aus der genannten Riege außenbords geht, dann bekommt er ein goldenes Rettungsboot mit, natürlich auch von unseren Steuergeldern. Zeitgleich sind die Straßen in meiner Stadt zum Teil eher Buckelpisten und in einigen Schulen fallen fast die Fensterscheiben raus, weil kein Geld zur Instandhaltung der Häuser da ist.
    Den Montagearbeiter bei Opel oder sonstwem fragt auch kein Aas, wie er über die Runden kommt, wenn ihm seine Existenzgrundlage wegbricht.
    Ich denke, die Stimmung wird hierzulande auch noch kippen. Genau dann, wenn in Größenordnungen(wie jetzt schon in Frankreich und den USA) Räumungsklagen vollstreckt werden, die Leute mit ihrer Habe buchstäblich auf der Straße landen und in Zelten kampieren müssen. – während die Gewinner der Krise den Champagner kühlhalten.
    Die guten Zeiten sind vorbei! Jetzt beginnen die Besseren. Die Umverteilung von unten nach oben scheint immer schneller zu gehen.
    Deutschland als Exportweltmeister – ist auch schon Vergangenheit. Das System ist ja jetzt schon so angelegt, daß in D- Land Waren produziert werden, die sich die, die sie produzieren nicht mehr leisten können. Von Binnennachfrage wird sich die hiesige Wirtschaft also nicht halten können und geht mit der internationalen Krise zu Bruch.
    Der kurze Boom in der Autobranche ist jetzt ja auch schon schneller zu Ende, als es vor ein paar Tagen noch erwartet wurde.
    Und immer noch hoffen alle, daß es nicht so schlimm kommt.
    Also jetzt noch den Tag genießen, so gut es geht !
    In diesem Sine GLGr aus der frühlingssonnenwarmen Stadt am Meer von Wolfgang.

  4. Ulrike/Ulinne sagt:

    Moin lieber Wolfgang,
    ich freu mich immer *sehr* über deine Kommentare, weil sie 1. die wichtigen Dinge auf den Punkt bringen (auch wenn wir – wie bei den Linken – nicht immer einer Meinung sind, in der Regel aber eben doch *g*), und weil du 2. so wunderschön formulierst. DU liest dich einfach toll. 😉

    Ja, was sich die Manager von HRE geleistet haben, ist wirklich unfassbar. Größenordnung eines ganzen Bundeshaushalts haben sie verzockt. Und ich schnall jetzt erst so langsam, was da alles dranhängt: Bundesschatzbriefe, Lebensversicherungen etc. …
    Da ist natürlich klar, dass man die halten muss, sonst gibt es für viele ein ganz, ganz böses Erwachen. Ohne meine Lebensversicherung z.B., die nach dieser Hypothekenlaufzeit die Restschuld für unser Haus tilgen soll, werden wir die nicht los und können bis über 100 Jahre (da meine ich jetzt mein Alter) weiter dran bezahlen – so ich dann überhaupt noch Pension bekomme …
    Ja, und alle, die von der Schildkröte in die Schatzbriefe gelockt wurden, schauen auch dumm aus der Wäsche.

    Vor dem Kippen der Stimmung habe ich Angst, denn ich glaube auch, dass das irgendwann kommt. Bürgerkriege sind nicht lustig, und mit der Demokratie könnte es dann schnell vorbei sein …

    (Trotzdem) sonnige Morgengrüße aus dem Münsterland an die Stadt am Meer 😉

    Ulrike

  5. Richie sagt:

    Bei aller Liebe – vom „Bürgerkrieg“ sind wir weit entfernt. Man sollte aufpassen, dass man eine Gerechtigkeits- und Umverteilungsdiskussion nicht zu sehr auf die Enteignungs- und „allemachtdemvolk“-Schiene schiebt. Denn dieses System ist schon weit vor der freien Marktwirtschaft kolossal gescheitert.

    Marktwirtschaft an sich ist nicht schlecht, so lange sie sich auf Unternehmen bezieht die Werte schaffen. Was uns derzeit den Kragen so eng schnürt ist die so genannte Finanzindustrie. Eine ähnliche Blase hat damals schon die Unternehmen am neuen Markt ins Verderben gerissen. Hohe Bewertungen sachwertloser Dinge. Früher waren es IT-Dienstleistungen, deren sachlicher Gegenwert in ein paar Büros mit PC bestand, heute sind es Risikohypotheken und Spielcasinoanlagen im großen Stil.

    Egal wie man es dreht, arm und reich wird es immer geben. Das ist Teil der Gesellschaft. Das Problem derzeit ist, dass die Mittelschicht in Deutschland vernichtet wird. Durch Leiharbeit, Hartz IV und völlig überzogene Vorstellungen der Unternehmen an die Qualifikationen am Arbeitsmarkt.
    Diese Mittelschicht ist es aber, die den Löwenanteil aller Kosten des Landes aufbringt. Die Folge der „Global-Player“-Wirtschaft der letzten Jahre ist, dass sich die Sparvermögen häufen, weil der Deutsche zum hamstern und sichern neigt. Das hat bisher keinen interessiert, weil wir Exportweltmeister waren. Dabei zeigt sich immer wieder, dass der Standort Deutschland mehr als nur konkurenzfähig ist.

    Was passiert, wenn man nur exportiert und die Binnennachfrage nicht stärkt, das erleben wir gerade.
    Dann müssen milliardenschwere Konjunkturpakete die Kaufkraft ankurbeln.

    Ich glaube nicht, dass wir Angst haben müssen. aber es müssen stärkere Regularien her. Manager dürfen keine Prämien für geschlossene Standorte bekommen. Die Gehälter müssen drastisch ruinter und erfolgsorientiert gezahlt werden. Prämien müssen Erfolge und nicht Mißerfolge honorieren. Abfindungen Millionäre gehören abgeschafft. Für Manager muss das Leistungsprinzip gelten. Keine Erfolge, keine Kohle.

    Mit solchen Maßnahmen erreicht man auf Sicht mehr, als mit Geiselhaft und Bürgerkrieg!

  6. Ulrike/Ulinne sagt:

    Hi Richie,

    du hast natürlich Recht, das mit dem „Bürgerkrieg“ war übertrieben. Aber zumindest könnte es dazu kommen, dass alle, denen es (noch) etwas besser geht, (auch wenn das nur nach außen hin den Anschein hat – Häuslebesitzer z.B.) unter immer mehr Angriffen zu rechnen haben. Einbrüche, Diebstahl etc. steigen ja jetzt schon mächtig an, und das sind nicht mehr nur Banden aus dem Osten …

    Natürlich denke auch ich, dass Maßnahmen wie du sie aufgezählt hast, bedeutend wirksamer wären, als Manager festzusetzen, aber da ist die Politik-Lobby vor, und man wird vieles von dem zu verhindern wissen. Ja, und so lange das so bleibt, wirds halt immer gefährlicher im Land.

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