Nahost und der Glaube an ein Gottesgeschenk

Gut, ich kann ja verstehen, dass die Menschheit in ihren Anfängen vieles noch nicht wusste und jedes Phänomen, jedes – auch kosmische – Ereignis, das man nicht verstand, als von einem „höheren Wesen“ gesteuert glaubte. Dieses Wesen nannte man dann irgendwann „Gott“ oder „Jahwe“ oder gab ihm einen anderen regionsgebundenen Namen und begründete verschiedene Religionen auf der Basis der spinnertsten Geschichten über diese Art „Übervater“.
Dass sich solcher Märchenkram bis heute hält, mächtige Institutionen begründete, die man inzwischen „Kirchen“ nennt, und die Jahrhunderte lang – bis heute, eine große – auch weltliche – Macht inne hat/te (die teilweise sogar *über* den weltlichen Herrschern rangierten), dass sich so ein Quatsch also bis heute gehalten und sogar gefestigt hat, ist doch mehr als verwunderlich. Jedenfalls dann, wenn man davon ausgehen könnte/sollte, dass viele Menschen, die an diese Institutionen und die Märchen, die sie erzählen, tatsächlich fest glauben, ansonsten recht kluge sind / sein mögen …

Aber jetzt mal im Ernst:
Wenn HEUTE jemand auf einem Stück Land säße, dieses sozusagen „besetzt“ hielte, und auf Nachfragen (oder auch frei heraus) behaupten würde, irgendein imaginärer „Gott“ habe ihm dieses Land geschenkt, bzw. überantwortet, oder – wie auch immer – übergeben, da er von diesem „Gott“ auserwählt worden sei, und dass es dazu keine rechtsgültigen Unterschriften gäbe, gehe das Grundbuchamt einen feuchten Kehricht an – was würde man heute mit so einem machen?
Ich denke doch, dass der ganz fix in der Klapse landen würde und eines von diesen Hemdchen angezogen bekäme, dessen Ärmel man hinten am Rücken zubindet …

Vor ein paar tausend Jahren konnte und durfte man aber auf solche Weise noch herum spinnen, ohne dass einem medizinische, rechtliche oder sonstige Konsequenzen drohten, da durfte und konnte man mit solchen Behauptungen und anderem spinnertem Kram sogar so was wie religiöse Macht erringen und sich – als Auserwählter – auch noch ganz toll finden, was in den folgenden Jahren/Jahrhunderten natürlich nicht jedem behagte, denn irgendwie möchte doch jeder sich gern als etwas Besonderes empfinden.

Zum aktuellen Konflikt im Nahen Osten:

Mir soll es recht sein, wenn die Hardliner beider Konfliktparteien sich gegenseitig platt machen, vielleicht gäbe es in der Region dann endlich mal Ruhe. Solche Verrückte braucht die Welt nicht.

Um dazu von ihrer Seite aus jedoch besonders die Richtigen beim Gegenüber treffen zu können, bräuchte die palästinensische Hamas allerdings auch Raketen, die bis ins Westjordanland zu den Hardliner-Siedlern reichten. Oder – ebenso wie die Israelis – Kampfjets, die genauso aus der Luft terrorisieren und töten könnten, wie die Jets der Israelis.
„Leider“ ist jedoch die Waffengewalt in diesem Konflikt sehr, sehr ungerecht verteilt. Dazu hat derjenige, der behauptet, das Land, das er besetzt hält, habe „Gott“ ihm vor vielen, vielen Jahren einmal höchst persönlich übereignet (davon sind gerade die israelischen Siedler ja mächtig überzeugt!), zu viele mächtige Freunde in der Welt. Ja, und die haben alle (zu Recht!) ein schlechtes Gewissen, weil man die Vertreter dieser Glaubensrichtung in früheren Zeiten unfassbar schlecht behandelt hat. Vorneweg natürlich mein Heimatland mit seinen unmenschlichen und unverzeihlichen Verbrechen an jüdischen Mitmenschen. Daher steht man nun in der aktuell politisch handelnden Generation besonders eilfertig an der Seite Israels.
Aber die eigenen Verbrechen in früheren Zeiten, die frühere jüdische Generationen erleiden mussten, rechtfertigen nicht, dass man HEUTE noch mit ähnlichen Verbrechen weiter macht – nur eben an einem anderen Volk, das man gnadenlos enteignet hat, dem man zig Grenzen vor die Nase setzt, ihnen durch ständige Kontrollen die Luft zum Atmen nimmt, ihnen nur wenig vom vorhandenen Wasser zuteilt, die man mit einer Seeblockade belegt, deren Land man durch Mauern zerteilt und ihnen keinen eigenen Staat zugesteht, denen man die Früchte ihrer Landarbeit aus dem willkürlich zerteilten Boden reißt, und, und, und …
Ich glaube, da wäre auch bei mir die Wut so groß, dass ich explodieren könnte, und es wäre vielleicht gut, wenn sich dazu jeder mal für sich selbst die Frage stellte, ob er das aushalten könnte …

In diesem Konflikt tun mir auf beiden Seiten nur die friedvollen Unbeteiligten leid, Zivilisten in Israel und Palästina, die von diesen – leider tödlichen – Kindergarten-Spielchen der Hardliner ebenfalls betroffen sind, obwohl sie die Auseinandersetzung gar nicht wollen. Sei es dadurch, dass sie als Soldaten hinein gezwungen werden, oder dadurch, dass ihnen in ihren Häusern Bomben und Raketen um die Köpfe fliegen.

Wann wird man im Nahen Osten endlich erwachsen und beendet diese politischen Schachzüge, die doch so viele Menschen das Leben kosten …?!