Nein, …

… den sogenannten „Mut“ und das „Rückgrat“ derjenigen, die in Hessen Andrea Ypsilanti in den Rücken gefallen sind, kann ich absolut nicht bewundern oder besonders „demokratisch“ finden. Ich halte es eher für eigenartig, wenn man – nach monatelangen Überlegungen, Abwägungen, Versuchen, Gesprächen, nach einer Menge Zeit also – erst ca. 24 Stunden vor einer anstehenden Wahl sein „Gewissen“ entdeckt.
Vermute eher, dass da „gute Argumente“ aus der Koch-Ecke nachgeholfen haben – in welcher Form auch immer.

Seltsam, dass man Andrea Ypsilanti so vehement vorwirft, ein Wahlversprechen brechen zu wollen, indem sie sich nun doch von der Linken tolerieren lassen wollte. Man kann sich ein Wahlergebnis eben nicht selber malen, muss aus dem Bestehenden das Beste machen, und wenn es rechnerisch anders nicht möglich ist, muss man sich notfalls auch von einer Partei tolerieren lassen, der man sich inhaltlich im Grunde recht nah sieht, der man bisher auch keine Unzuverlässigkeit vorwerfen kann, die man jedoch (heute noch, aber das wird sich ändern) verteufelt und ihr die schlimmsten Attribute zuordnet – dies dem Volk durch entsprechende Kommentare auch ständig einhämmert.
Dumm nur, dass Ypsilanti es vor der Wahl so strikt ausgeschlossen hat. Dumm auch, dass sie ihrem Widersacher Walter kein Minister-Pöstken angeboten hat. Dann wäre sicher alles anders gekommen …

Und dies hier, liebe Leut (falls ihr ebenfalls drauf reingefallen seid), ist nicht – wie vorgetäuscht – die WebSite einer Bürgerinitiative, sondern ein strategisches Konstrukt der hessischen CDU-Propaganda .
Schaut euch dort mal die Kommentare an. Vermutlich alle brav von CDU-Mitgliedern dort hingeschmiert. Vielleicht haben aber auch einige Wenige das ganz allein hingekriegt, damit es nach viel aussieht …
Schweinebande!

Aber apropos „gebrochene Wahlversprechen“:
Erinnert sich eigentlich niemand mehr an die Sache mit der Mehrwertsteuer vor der letzten Bundestagswahl?
– CDU = 2% Erhöhung
– SPD = Erhöhung der MWSt? Auf keinen Fall!!!
Und was haben wir nach der Wahl mit der großen Koalition bekommen?
Richtig: 3%!
Und was ist mit den Grünen und dem Kraftwerk in Hamburg? …

Alle Politiker reden vor der Wahl von ihren Idealvorstelllungen, und wenn das Wahlergebnis entsprechend ist, können sie die vermutlich auch weitestgehend umsetzen, aber was sollen sie machen, wenn man Koalitionen und damit Kompromisse eingehen muss? Oder wenn ein Regieren nur in Konstellationen möglich ist, die vor der Wahl nicht absehbar waren?

Und „machtgeil“, (was man A.Y. ja auch noch vorwirft) – „machtgeil“ sind ALLE Parteien und Politiker. NATÜRLICH streben sie nach der Macht, sonst würden sie sich gar nicht erst zur Wahl stellen. Unterstellt da jemand vielleicht z.B. dem Herrn Koch , dass er NICHT „machtgeil“ ist? …

Mir tut es jedenfalls leid, dass Frau Ypsilanti es nicht geschafft hat und der „brutalst mögliche“ Aufklärungs-Lügner und Volksverhetzer nun den Sanften spielen kann und vorerst weiter an der Macht bleibt. Das haben eindeutig diese 4 SPD-Leute in Hessen zu verantworten, die sich – meiner Meinung nach – heftigst schämen müssten und ihrer Partei mit dieser „Gewissensentscheidung“ in letzter Sekunde gehörig geschadet haben. Die zerknirschten Minen während der Pressekonferenz gestern und die Behauptung, dass diese Entscheidung ihnen so unsäglich schwer gefallen wäre, kaufe ich ihnen einfach nicht ab.
Ich kann nur hoffen, dass diejenigen in Hessen, die beim letzten Mal noch die SPD gewählt haben, weil sie mehr Gerechtigkeit im Land sehen wollten und dabei auf die SPD vertrauen wollten, nun – bei einer hoffentlich bald folgenden Neuwahl – das Original wählen werden und sich von den Verunglimpfungen, mit denen man gegen den Angstgegner Stimmung zu machen versucht, (worauf leider viele – auch Leute, die ich sonst sehr schätze, hereinfallen), nicht abschrecken lassen.

Einen schönen Beitrag zu diesem Thema findet man übrigens auch hier:
Jürgen Walter – Kochs bester Mann

Dieser Artikel in der Süddeutschen Zeitung gefällt mir auch:
Kehraus im Tollhaus

Und weiter kann ich nun nur hoffen, dass wenigstens Obama es in den Vereinigten Staaten heute Nacht ins Weiße Haus schafft, und dass die kriminelle Clique, die dort während der letzten 8 Jahre das Ruder in der Hand hatte, mit den Wahlcomputern nicht schummeln lässt. Man muss sich nur vorstellen, der alte Herr McCain würde es schaffen und würde – sagen wir mal – in 2 Jahren an Hautkrebs oder einem Herzinfarkt sterben, und diese verrückte, unfähige, religiöse Fanatikerin Sarah Pailin käme auf den Präsidentenstuhl … *grusel* …
Undenkbar!

Ein Gedanke zu „Nein, …

  1. Sille sagt:

    Glückwunsch Ulinne,
    genauso sehe ich das auch! Und ganz sicher gab’s für die späte „Entscheidungsfindung“ der Verhinderer überzeugende Hilfe. Mit welchem Recht glauben die bloß immer, wir wären alle schon komplett verblödet?

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