Patientenverfügung

Nun platze ich aber bald!
Endlich habe ich mich dazu aufgerafft, meine Patientenverfügung zu machen und gut auffindbar zu deponieren, fühlte mich auch sehr wohl dabei und nun gibt es im Bundestag – eingebracht von Wolfgang Bosbach („WoBo“ – CDU), dem selbsternannten Menschenretter der Republik, und Katrin Göring-Eckardt (Grüne), der christlichen Missionarin – einen neuen Vorschlag zur zwingenden Voraussetzung für die Gültigkeit einer solchen:

1. Beratung durch einen Arzt (Achtung: Extrakosten!)
2. Notarielle Beglaubigung (Achtung: Extrakosten!)

Was soll das werden?

Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (und staatliche Hilfe zur Gewinnsteigerung) für Notare und Ärzte???

Von unserer politischen Kaste hab ich langsam aber sicher die Schnauze gestrichen voll! Diese Polithanseln sollen sich gefälligst aus dem Leben und Sterben der Menschen heraushalten, ihre moralischen Vorstellungen im eigenen Bereich ausleben und Andersdenkende damit verschonen!
ICH WILL KEINE EINMISCHUNG VON LEUTEN, DIE MEIN LEBEN ABER SOWAS VON GARNICHTS ANGEHT!
Und ich verlange, dass meine Patientenverfügung genauso gehandhabt wird wie mein Testament! Das ist nämlich auch ohne Notar gültig!

10 Gedanken zu „Patientenverfügung

  1. Elke sagt:

    In diesem Fall gebe ich dir uneingeschränkt Recht, obwohl . . . man es schon auch anders sehen könnte – als Schutz vor geldgierigen Erben, die sowas vielleicht auch mal fälschen könnten. Aber das halte ich für eine relativ geringe Gefahr und mir stinkt es auch gewaltig, in wie viele pesönliche Entscheidungen sich der Staat einmischt. Dass Ärzte und Notare für Beglaubigungen Geld bekommen, ist dagegen in Ordnung, ist halt ein Teil ihres Berufes. Aber zuviel Staat ist ungesund. Ich denke gerade daran, dass in Hessen nun Eltern Probleme mit den Jugendämtern bekommen, wenn sie die U’s der Kinder grenznah in einem anderen Bundesland vornehmen lassen. Da funktioniert nämlich dann der Austausch nicht mehr. Muss ja im Zeitalter der elektronischen Vernetzung ein Riesenproblem sein! Oder liegt das etwa am Datenschutz?
    Lieben Gruß
    Elke

    Elkes letzter Blogeintrag: Linktipp

  2. Ulinne sagt:

    Sicher ist in Ordnung, dass Ärzte und Notare für ihre Arbeit Geld bekommen, Elke – logisch.
    Aber weshalb sollen die Menschen gezwungen werden, diese kostenpflichtigen Dinge überhaupt in Anspruch nehmen zu müssen? DAS meinte ich …
    Weshalb reicht meine selbst verfasste und unterschriebene Verfügung nicht aus – ebenso wie ein selbstverfasstes und unterschriebenes Testament?
    Weshalb muss man mir da noch kostenpflichtige zusätzliche Absicherungen aufbrummen?
    Ja, und dass es in Einzelfällen auch geldgierige Erben geben mag … mein Gott, es gibt so viele Unwägbarkeiten im Leben. Da ist es mir trotzdem wichtiger, in Frieden und ohne lange Qualen sterben zu können.

  3. Frank sagt:

    Hallo,

    die Patientenverfügung für meine Schwiegermutter (selber Ärztin) können wir demnach in den Mülleimer stecken. Ich hatte für meine Mutter eine Patienverfügung die mir alle Tühren geöffnet hat, die hab ich auch nicht mißbraucht. Wollen mal sehen was die Politik daraus macht…..

    Viele Grüße

    Frank

    Franks letzter Blogeintrag: Lang dauerts nicht mehr…..

  4. Claudia Klinger sagt:

    du sprichst mir aus der Seele! Anstatt kostenpflichtige Notare und Ärzte zu beteiligen, könnten unsere Regierenden ja (wenns denn um ABSICHERUNG geht) doch auch einen Hinterlegungsservice anbieten – z.B. beim Einwohnermeldeamt oder bei Finanzamt. Gibt ja genug Ämter, mit denen man zu tun haben muss, weil der Staat etwas will. Warum nicht auch mal anders rum??

    Claudia Klingers letzter Blogeintrag: Angst

  5. Barbara sagt:

    Du glaubst tatsächlich noch an das Märchen, dein Leben gehöre dir…? 😉 Wir sind schon derart transparente Menschen, und wenn’s darauf ankommt, sind unsere Grundrechte in der Praxis weit her. Ich empfinde mich als ziemlich fremdbestimmt, so „frei“ wie ich bin, allein schon durch meinen Angestelltenstatus bei der Arbeit. Zuhause kann ich nicht einfach alles tun, was ich möchte (Vermieter- und Nachbarrechte), und in meiner Freizeit meinen auch alle möglichen Menschen, sich mit dem bemühen zu müssen, was IHNEN nicht passt. Usw. usf.

    Eine Patientenverfügung habe ich, seit meine Mutter gestorben ist, doch ich weiß, dass sie – wenn’s hart auf hart kommt – sowieso nicht gilt ohne notarielle Beglaubigung. Die Kosten scheue ich halt. Vor allem ändern sich die Namen in der Verfügung immer wieder (s. jetzige Trennung), da käme der Notar aber echt teuer!
    Mein privates Testament ist auch nicht notariell beglaubigt, zählt also im Endeffekt auch nichts, wenn eventuelle Erben etwas anfechten.
    So ist es in unserer Welt… der Einzelne hat keine einzelne Freiheit, dafür bzw. dagegen gibt es genügend Gesetze. Muss man wohl akzeptieren. Auf einer einsamen Insel würde man sich vermutlich mit den Affen um Territorien herumstreiten.

    Als meine Mutter im Sterben lag, hat der Arzt meine Schwester und mich auf dem Flur (!) „heimlich“ zur Seite genommen und uns gefragt, was wir möchten, wenn’s abwärts geht: Beatmungsmaschine ansetzen oder sie „natürlich“ sterben lassen. Wir entschieden uns für Letzteres, und 2 Tage später starb sie ihren freiwilligen (!) natürlichen Tod. „So eine“ Patientenverfügung kann man auch machen, doch das weiß man vorher natürlich nicht, wie die Ärzte kooperieren.

    Das mit der verpflichteten Arztkonsulation finde ich somit die eigentliche Sauerei. Der Notar könnte ja noch der eigenen Sicherheit dienen, der Arzt gerade eben nicht!

  6. Thorsten sagt:

    Hallo Ulrike und liebe Mitleser,

    nur mal so als Tipp: Noch besser als eine Pat.-verfügung finde ich persönlich eine Betreuungsvollmacht. Das heißt, es wird im Vorfeld eine Person bestimmt, die im Fall der Fälle von richterlicher Seite die Betreuung erhält und damit die Entscheidungen trifft.

    Patientenverfügungen haben den großen Nachteil, daß sie nicht alle Eventualitäten abdecken können und immer Fragen offen bleiben, weil sie nicht explizit erwähnt wurden.

    Mit dem „Betreuer“ als eine Person des Vertrauens können immer wieder ausführliche Gespräche geführt werden und dieser Mensch weiß einfach mehr als jeder andere und jedes Stück Papier, was Dein mutmaßlicher Wille wäre. Es sollte aber auch jemand sein, der schwierige Entscheidungen in Deinem Sinne treffen kann – einfach ist das nicht.

    Die Beratung durch einen Arzt oder eine andere Fachperson finde ich nicht schlecht. Der Notar ist natürlich absolut überflüssig.

    Gruß
    Thorsten

  7. Ulrike/Ulinne sagt:

    Moin Thorsten,

    eine Betreuungsvollmacht haben wir natürlich auch – aus den von dir genannten, sehr nachvollziehbaren Gründen. Ich habe alles immer in meiner Handtasche bei mir, man weiß ja nie. Ist aber alles auch bei unserem Hausarzt hinterlegt.

    Gruß
    Ulrike

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