Schatten über dem Kongo

Ich bin mal wieder entsetzt über das Ausmaß menschlicher Gier und Brutalität und über die Verlogenheit westlicher, angeblich die Demokratie auf der Welt befördernden Kräfte wie z.B. die USA. Man weiß zwar darum, vergisst und verdrängt jedoch gern und ist immer wieder neu fassungslos, wenn man mit den Verbrechen in ganz speziellen Einzelfällen konfrontiert wird. (Jedenfalls geht es MIR so, und ich denke, dass ich damit nicht allein dastehe …)

Gestern Abend lief bei Phoenix der Film „Schatten über dem Kongo„, der von der Zeit der Kolonialisierung afrikanischer Staaten durch die „alten“ Europäer – im speziellen Fall des Kongos durch Belgien erzählt.

Nicht genug, dass „Zivilisation“ für die überfallenen und einverleibten Völker und Territorien in der Regel Ausbeutung und rücksichtslosen Umgang mit den Menschen bedeutete, meist war auch das Leben dieser – für die Europäer als „Untermenschen“ gesehenen – Individuen auch keinen Pfifferling wert. Da wurde zu Zwangsarbeit verpflichtet und bei Gegenwehr körperlich verstümmelt und gemordet, was das Zeug hält. Alles zur Befriedigung der eigenen Gier nach Bodenschätzen und der unbändigen Lust auf immensen Reichtum.

Im Grunde kann man sagen: Jeder, der heute unermesslich reich ist, hatte in der Regel Vorfahren, die über Leichen gegangen sind.

Im Kongo hat Belgiens König Leopold II (Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts) damit begonnen, die „Kolonie“ KONGO (mit welchem RECHT eigentlich eine „Kolonie“??) zu einem einzigen, großen Arbeitslager zu machen und das Land unter brutalsten Bedingungen regelrecht auszusaugen, dabei die Bevölkerung um etwa 10 Millionen Menschen zu dezimieren.

Als der Kongo vom belgischen König Baudouin I 1959 endlich (aber völlig unvorbereitet) in die Unabhängigkeit entlassen wurde, ohne die grauenhaft brutale belgische Herrschaft in seiner „Entlassungs“rede auch nur mit einem einzigen Wort zu erwähnen (und sich – wie es nötig gewesen wäre – dafür zu entschuldigen), wies Lumumba,

Lumumba-Kongo
Patrice E. Lumumba

der später erste demokratische Ministerpräsident des Kongos, auf diese belgischen Gräueltaten hin, worauf Baudouin zunächst darüber nachdachte, in völliger Ignoranz der Tatsachen, beleidigt abzureisen, (was er auf Anraten seiner Minister dann doch nicht tat).
Die Wahrheiten waren für die herrschenden Belgier offenbar unerträglich.
Noch heute sind in Belgien alle zufällig nicht durch König Ludwigs (II) Anweisung vernichteten Akten unter absolutem Verschluss in den Archiven. Man will noch immer nicht wahrhaben, wie unmenschlich man damals handelte und es zum Teil durch die ausbeutenden Konzerne heute immer noch tut.

Ja, und die US-Amerikaner sollen niemals mehr erzählen, dass sie die Demokratie in die Welt bringen wollen oder jemals wirklich wollten. (Dazu müssten sie auch erst einmal selbst wissen, was Demokratie ist und sie konsequent leben …)

Was zählt ist (und war immer schon) Macht und Profit, und wenn das in Gefahr ist (z.B. durch einen demokratisch gewählten Landesherrn, der über seine Bodenschätze SELBST verfügen und entscheiden will), lässt ein Präsident wie Eisenhower auch gern schon mal einen demokratisch gewählten Präsidenten wie Lumumba ermorden (in diesem Fall in Zusammenarbeit mit den Belgiern), um anschließend einen handzahmen Diktator wie Mobutu zu befördern und zu hoffieren.
Trotz Mobutus langjähriger Terrorherschafft, die dem belgischen Regime des Grauens in nichts nachstand, wurde er noch vom Vater unseres heute im Amt befindlichen „Dabbeljuh“ in Amerika als lieber, guter, bester Freund voller Stolz empfangen und umschleimt.
Pech für den Kongo und viele andere afrikanische Staaten, dass sie so reich an Bodenschätzen sind. Dass viele afrikanische Staaten heute so militarisiert sind, ist von Europa und den USA gemacht

Wenn man sich vorstellt, alles wäre anders gekommen, Lumumba hätte weiter am Leben bleiben und sein Land positiv verändern können, andere afrikanische Staaten hätten sich ein Beispiel dran nehmen können … ach wie anders könnte es heute in Afrika aussehen. Es ist zum Heulen …!!!

Und nun sag nicht:
Was interessiert mich Afrika?
Was interessiert mich der Kongo?
Ist alles so weit weg, betrifft mich ja nicht …

KEIN menschliches Leid kann „zu weit weg“ sein!
Und immer betrifft so etwas auch UNS! MUSS uns betreffen!!

Gut – SO schlimm wie beispielsweise damals im Kongo oder einigen anderen ausgebeuteten Staaten ist es bei uns (noch) nicht. Hier werden niemandem die Hände abgehackt, wenn er sich weigert, ohne angemessene Bezahlung und über seine Kräfte hinweg, ohne genügend Schlaf, ohne ausreichend zu essen und zu trinken zu arbeiten, hier wird auch niemand gefoltert (zumindest nicht körperlich) oder erschossen, wenn er das tut.
Hier bemüht man sich auch, Menschen unter einigermaßen erträglichen Bedingungen arbeiten zu lassen, sie nicht unbedingt schutzlos gesundheitsschädigenden giftigen oder radioaktiven Stoffen auszusetzen.

Aber DAS ist die hässliche Fratze des hemmungslosen Kapitalismus!
In diesem System stimmt es schon bei der Theorie nicht für die Menschen, die damit leben müssen. Und auch heute noch werden Menschen auf der Welt krank oder sterben, weil ihre Gesundheit niemanden interessieren, der nur (sein … *sabber*) Geld im Kopf hat.
Freiheit?
Für wen? …
In der Regel bestimmt doch der Mächtige, wessen Existenz er – beispielsweise auch hier bei uns durch Entlassung – aufs Spiel setzt.
Wieviel Freiheit bleibt dann dem abhängig Beschäftigten noch?!

Ich will ja nicht dem Kommunismus das Wort reden, aber da ist wenigstens die Theorie gut für die Menschen.

Logisch – eine Theorie ist immer so gut oder schlecht wie die Menschen, die sie in die Praxis umzusetzen versuchen.

Leider sind bisher auch die Staatsmodelle des Kommunismus weltweit gescheitert, weil es die Menschen in den „herrschenden Etagen“ halt auch in einem solchen System reizt, Macht auszuüben, Menschen zu unterdrücken, gierig in die eigenen Taschen zu stecken, was eben möglich ist.

Aber die Angst der Kapitalisten vor den Kommunisten und der Hass auf sie wird eindeutig von denen geschürt, die um ihre unverdienten und übermäßigen Pfründe und um ihre Macht und Vorherrschaft auf der Welt bangen.
Wetten, dass auch die südamerikanischen Staaten, die es augenblicklich mit einer neuen Gesellschaftsform probieren, eines Tages wieder von den Kapitalisten „übernommen“ (oder treffender gesagt: einkassiert) werden? Entsprechend schlechtgeredet werden sie ja bereits von den Medien, die zu einem großen Teil Helfer der Mächtigen sind …

Da ist auch heute noch den sogenannten „Demokraten“ ein willfährig zuarbeitender Diktator lieber als die (manchmal lästige und geschäftsschädigende) Demokratie.

Kann den Film „Schatten über dem Kongo“ nur sehr empfehlen.

Weitere Sendetermine bei Phoenix:
Mi, 03.09.08, 00.45 Uhr
Sa, 06.09.08, 00.30 Uhr

Falls jemand einen Link zu diesem Film (beispielsweise bei Youtube o.Ä.) kennt: Bitte in den Kommentaren posten.

Ein Gedanke zu „Schatten über dem Kongo

  1. Sille sagt:

    Der ging wieder mal mitten ins Herz, Dein Eintrag.

    Ich stimme Dir voll zu. Ich habe auch die „Vorstufe“ vom Kommunismus, den von der Idee her gut gemeinten Sozialismus erlebt. Wo es viele wertvolle Ansätze gab, z.B. Schul- und Sozialsystem, aber im Ganzen war’s letztendlich nicht umsetzbar, wegen der falschen Ausübung von Macht eben. Machtmissbrauch und Korruption sind aber im existierenden Kapitalismaus noch ungleich sehr viel größer, da deren Möglichkeiten weitaus größer sind und dem die Existenzangst der Menschen gegenüber steht. Dennoch, nichts bleibt ewig wie es ist. Hoffentlich auch Deutschland nicht.

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