Schlechtes Gewissen

Ich hoffe, ihr habt Ostern alle gut überstanden – trotz des Schnees, der seit zwei Tagen auch unsere Region erreicht hat, und von dem heute Morgen erstmalig ein wenig liegen geblieben ist.
Nicht gut überstanden hat die Ostertage eine junge Familie, die am Sonntag bei Oldenburg mit dem Wagen unterwegs war – auf dem Heimweg aus dem Osterurlaub in Richtung Warendorf, der Stadt im Münsterland, in der ich mein Referendarjahr gemacht habe. Irgendein Schwachhirn ist auf die Idee gekommen – vermutlich angeheitert und in fröhlicher Stimmung – sich doch mal einen tollen Spaß zu machen und einen schweren Holzklotz von einer Brücke auf die Autobahn zu werfen. Das hat eine ganze Familie zerstört, auch wenn „nur“ die junge Mutter vor den Augen ihrer kleinen Kinder tödlich getroffen wurde …

Ich gestehe, auch ich habe in meiner Jugend viel Blödsinn gemacht. Einmal – während meiner Studienzeit – befand ich mich mit meinem damaligen Freund auf dem Heimweg von einer Party. Beide waren wir entsprechend angesäuselt und in Hochstimmung. Den ganzen Weg haben wir quasi tanzend und lachend verbracht. Und als wir an einem kleinen LKW vorbei kamen, auf dessen Ladefläche griffbereit noch ein teergetränkter, dicker Pinsel lag, kam auch uns die „tolle“ Idee, doch einmal die wunderhübsche weiße Haustür gegenüber mit „schönen“ Ornamenten zu „verzieren“. Dabei haben wir uns vor lauter Kicherei kaum mehr eingekriegt …
Die Leute müssen am Morgen einen gehörigen Schrecken gekriegt haben, und seit ich damals wieder nüchtern war, liegt mir dieses absolut dumme Verhalten sehr auf der Seele, und ich muss immer wieder daran denken – bis heute, fast vierzig Jahre danach (!) , habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen.

Das war „nur“ eine Sache, die beschädigt wurde, und man hätte es gut mit Geld wieder gut machen können, aber wie müssen die Holzklotz-Werfer sich fühlen, wenn sie – wieder nüchtern – erfahren, was sie angerichtet haben? Das muss doch auch für sie grauenvoll sein!

Ich hoffe, auch für sie selbst, dass die Täter schnell gefasst werden, sich eventuell sogar selbst stellen, denn die Belastung, die von nun an auf ihrer Seele lasten wird, wird mit den Jahren sicher nicht geringer. Sie werden ein Leben lang von dem Wissen verfolgt werden, einen Menschen getötet und eine ganze Familie auf schreckliche Weise zerstört zu haben – nur um ein paar alkoholisierte Momente lang ihren „Spaß“ zu haben …

10 Gedanken zu „Schlechtes Gewissen

  1. Sille sagt:

    Hoffentlich haben die auch tatsächlich ein Gewissen, denn am Ende kommen sie ohnehin wieder viel zu leicht davon. Dann war’s alles gar keine Absicht und nicht so gewollt… Wer so etwas Furchtbares tut, nimmt doch den Tod von Menschen leichtfertig in Kauf oder kann man so benebelt sein? Leider bringt rein gar nichts die Frau zurück, und ihre Familie wird dieses Grauen und den Schmerz nie mehr vergessen.

  2. cor sagt:

    Diese Tat hat sogar das Fernsehen bei uns erreicht. Es ist ja schon unglaublich was Leute so machen, man fragt sich lediglich: Warum, warum nur. Da wird in Sekunden eine Familie zerstört ohne jeglichen Grund.
    Herzliche Grüsse,
    Cor

  3. Kalle sagt:

    Hallo Ulrike,

    ich kann mir nicht vorstellen, dass – wer immer auch den Holzklotz geworfen hat – dies mit einer Tötungsabsicht geschah. Ehr vermute ich, dass in einem Zustand wie du ihn beschreibst das Ganze geschah, und die Folgen der Tat erst im Nachhinein den Beteiligten bewusst wurden. Selbstverständlich nahmen sie es bewusst in Kauf, dass es etwas Schlimmes passieren konnte, doch hoffe ich, dass nicht die Tötungsabsicht „Wir löschen jetzt mal ein Leben aus“ im Vordergrund stand…

    lg kalle

  4. Agnes sagt:

    Ja weiß man denn, dass die (oder der) Holzklotzwerfer in Oldenburg betrunken waren?

    Ich weiß nicht, ob man so etwas aus einer Laune heraus im angesäuselten Zustand macht, ich vermute eher Boshaftigkeit und Zerstörungswahn hinter dieser Tat.

    Die Familie tut mir von Herzen leid, die Kinder werden den Schock ihr Leben lang nicht verwinden, schließlich waren sie Zeuge wie die Mutter auf so brutale Weise ums Leben kan.

    Sehr traurig ist das allea.
    LG
    Agnes

  5. Ulrike sagt:

    Ob die nun ein schlechtes Gewissen haben oder nicht – ganz gewiß kann die ehrlichste Reue nicht annähernd Verbrechen dieser Art verständlicher machen. Mal Holzpflöcke, mal Gullideckel, mal Betonklötze – alles schwerste Gegenstände, die man nicht mal eben so auf der Brücke findet und mit einem Schwupps über das Geländer wirft! Für mich ist da Vorsatz bei! Manno, ich bin richtig wütend und mag gar nicht daran denken, dass uns dann wohl wieder verklickert wird, aus welchen Aspekten heraus Milde mit den bedauernswerten Tätern angebracht ist … Würde endlich härter durchgegriffen und das bestehende Gesetz in vollem Umfang angewandt werden, so mancher „Streich“ würde wohl nicht getan (so denn diese Zweibeiner überhaupt denken können!!!).

    Aber Dir ganz liebe Grüße von Ulrike

  6. Elke sagt:

    Noch weiß man über den Tathergang überhaupt nichts. So schlimm das Ganze auch ist, diese wilden Spekulationen über betrunkene Jugendliche finde ich nicht in Ordnung. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar groß, aber die Vorverurteilung einer bestimmten Altersgruppe finde ich ebenfalls schlimm.
    Lieben Gruß
    Elke

  7. Ulinne sagt:

    Hi Elke,
    ich hab ja nicht gesagt, dass es *Jugendliche* waren, denen ich diese Tat zutraue. Wenn ich davon erzähle, dass ICH jugendlich war, als ich MEINEN Blödsinn gemacht habe, heißt das nicht, dass ich für diese Tat unbedingt Jugendliche vermute. Allerdings muss man im Kopf tatsächlich noch sehr „jugendlich“ sein (d.h. nicht sehr weit entwickelt, und dabei kann man inzwischen sehr wohl die 40 oder 60 erreicht haben – ist eine Frage der Definition), wenn man solche Dinge macht. Und falls diejenigen, die das getan haben, NICHT alkoholisiert waren, muss der Nagel in ihrem Kopf schon sehr arg rostig sein … 🙁

  8. Karl-Heinz sagt:

    Hallo Ulrike,

    ich habe über diese Geschichte auch in der Pampa von Amerika gelesen. Eine sehr traurige Geschichte jedenfalls.
    Bei uns ist der Winter vorbei und wir bekommen hier unten im Süden keinen Schnee mehr, aber in den Nordstaaten doch noch.
    Bei uns liegen nun die Tagestemperaturen um 20°C.
    LG Karl-Heinz

  9. sue sagt:

    ich hätte hier noch was nachzutragen – auch auf die gefahr hin, dass schon bekannt.

    *augenreib* da les ich eben hier drüber was von pampa und gucke auf den namen… stutze, fahre über den link und grinse. klar – pampa – arkansas.
    es ist jahre her, dass ich den karl-heinz irgendwo im netz getroffen (um den schuleintritt von paul rum) und wieder aus den augen verloren habe. die welt ist klein…

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