Sicko – Michael Moore

Sonntags ist ja meist unser ARD-Abend: erst der Tatort, dann Anne Will, anschließend Kultur und Druckfrisch, schließlich der Sonntagsfilm.

Bis auf den Tatort, den wir gestern gegen „Der Teufen trägt Prada“ (den wollte ich auf jeden Fall sehen) ersetzt haben, war das auch gestern Abend so. Also bin ich am Ende auch bei „Sicko“ von Michael Moore (120 Minuten lang) gelandet.

Mannomann, was ist die USA doch ein korruptes 3.Welt-Land und wie fern ist es von jeder wirklichen Demokratie!
Man kann von Michael Moore ja halten, was man will, ich mag seine Reportagen, mochte auch diese, die mit authentischen Stimmen belegte, was die von den Gesundheits-Konzernen kräftig gesponserte Politiker-Clique in den USA so gar nicht gern hören will. Er vergleicht das us-amerikanische Gesundheitssystem, das auch den bereits Versicherten keine wirkliche Hilfe ist, sondern bei dem die Versicherungsgesellschaften die Menschen abzocken, wo es eben möglich ist, wo der Mensch und sein Leben nichts zählt, sondern lebensnotwendige Behandlungen unter fadenscheinigen Begründungen verweigert werden und nur die Gewinne der Konzerne maximiert werden – vor vielen Jahren einmal ausgekungelt mit ganz „oben“ – mit Nixon – gern fortgeführt dann von den nachfolgenden Lobby-Republikanern, also dieses menschenverachtende System vergleicht Moore mit den Gesundheits-Systemen in Kanada, England, Frankreich, ja sogar Kuba.
All diese anderen Systeme schlagen das US-System um Längen!

Dass das dumm gehaltene Volk nicht landesweit aufbegehrt, sondern stattdessen auf Totschlag-Argumente – wie „eine für alle US-Bürger verpflichtende staatliche Gesundheitsversicherung und -versorgung sei der pure Sozialismus“ und damit pfui-bah – hereinfällt und das tatsächlich so glaubt, ist nicht verwunderlich. „Menschenfreundlich“ wäre nach dieser Logik also verachtenswert „sozialistisch“ und damit zu bekämpfen …
Nach dem Film kann man nur erleichtert zur Kenntnis nehmen, dass man selbst nicht in den USA leben muss.
Doch in den USA sind die Lobbys groß und stark (noch größer und stärker als bei uns, nehme ich an), die Korruption ebenso, und die Menschen im Land werden klein und in Angst gehalten, damit sie nicht erkennen, dass in einer Demokratie eigentlich SIE der Souverän sind. Das hat nicht erst seit der Bush-Regierung Tradition.

Ich würde mir wünschen, dass alle, die in den USA gegen Obamas erneuten Versuch kämpfen, in den USA endlich eine menschen- und demokratiewürdige Gesundheitsreform durchzusetzen, sich einmal vorbehaltlos diesen Film anschauen würden. Leider denke ich jedoch, diese Leute wissen eh, was für Verbrecher sie sind, und sie nehmen die Zuwendungen (und nach ihrer Politiker-Karriere) die hoch dotierten Pöstken bei den Versicherungen oder Pharma-Konzernen sehr gerne mit …

WAS für eine Schweinebande!

Und in Deutschland macht man den USA ja traditionell gern alles nach.
Wir sind auf dem Weg … 🙁

2 Gedanken zu „Sicko – Michael Moore

  1. Sille sagt:

    Ganz meine Meinung. Ich mag Michael Moore auch sehr gerne, herrlich bissig und ohne Umschweife.

    Seltsam, gleich an einigen Stellen Deines Beitrags hatte ich das Gefühl, Du redest von Deutschland?.. Na weit entfernt sind wir in mancher Hinsicht leider nicht, wo doch die USA so gern als leuchtendes Beispiel dienen sollen. Leider schaut man hierzulande zu diesem Zweck viel zu selten in die nähere Nachbarschaft, wo vieles sich sehr positiv entwickelt hat. Sei es im Gesundheits- oder Bildungssystem, der Familien- oder Sozialpolitik usw. Zu große Scheuklappen eben.

  2. War Blog DK germany sagt:

    Hi!

    So wahr, so wahr … Michael Moore piekst sie in die … *peep* … diese „Stupid White Men“. Er ist “schnurstracksgeradeaus” – das gefällt sehr.

    Schon einmal einen Menschen mit “Namen” in Deutschland in aller Öffentlichkeit erlebt, der sich Angela Merkel zur Brust nimmt und vor einem Millionenpublikum sagt:

    Merkel! Schande über dich und deine Kriegstreiberei“?

    Ich kann mich nicht an einen einzigen erinnern der das bisher getan hat, oder überhaupt das Recht dazu erhalten hat.

    Aber eins denke ich nie: „Was bin ich froh dort (USA) nicht leben zu müssen“ – ich denke immer weiter: „Was tun mir die Menschen leid, die dort leben müssen“ (ist es in Europa noch sehr weit weg von der dortigen Gesellschaftsnorm?)

    Wenn Millionen Menschen mit Zahnschmerzen nicht zum Arzt gehen können, weil sie nicht das nötige Geld dazu haben, dann weiß ich warum es in den „United Fakes of Amerikkka“ die Todesstrafe und Kriegstreibereien gibt. Dann weiß man das. Dann weiß man was man von „Freiheit“ und von „Nächstenliebe“ der gesellschaftsführenden Weltmacht zu halten hat. Genau dann weiß man das.

    Mit freundlichen Grüßen

    warblogdkgermany.blogspot.com

    P.S. So weit weg vom „Denken“, und vom „Leben“, wie es in den USA üblich ist mag Deutschland vielleicht erscheinen, ist es aber nicht wirklich. „Wir“ sind nicht auf dem Weg, „wir“ SIND das kleine Abziehbildchen. Die Briten der kleine Bruder und Deutschland die kleine Schwester.

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