Tabuthema: Tod

Für viele ist das Thema TOD ein Tabu. Man redet nicht gern drüber, schiebts von sich weg, schaut es nicht an – in der Hoffnung vielleicht, dass es dann auch nicht stattfinden wird. Nicht wirklich.
Doch es WIRD irgendwann stattfinden, mit unausweichlicher Sicherheit! Früher oder später. Da können wir noch so sehr den Kopf in den Sand stecken wollen.

Mona Lisa hat mich in ihren letzten beiden Beiträgen drauf gebracht, darüber mal wieder nachzudenken. Außerdem ein Beitrag bei Agnes, in dem sie sich Sorgen um ihre Freundin macht und furchtbar traurig ist, da ihr Leben wohl nicht mehr zu retten ist.

Für mich ist der Tod KEIN Tabu, ich denke gern darüber nach, habe auch schon etliches darüber gelesen. (Z.B. „Über den Tod und das Leben danach“ von Elisabeth Kübler-Ross.) Gehe ich doch davon aus, dass meine Seele unsterblich ist. Leider war auch mit meinem Vater vor seinem Tod nicht darüber zu reden, obwohl ich es immer wieder versucht habe …

Nein, ich glaube nicht daran, dass ich nach dem (hoffentlich möglichst schmerzlosen Sterben) in den „Himmel“ komme, und dass es dort einen „Gott“ gibt, oder einen „Jesus“ (angeblich sein Sohn), der dort „zu seiner Rechten“ sitzt und gemeinsam mit ihm und dem „Heiligen Geist“ erfreut die gläubigen Menschen nach deren Ableben in Empfang nimmt und ihnen himmlische Zeiten bereitet. Das sind für mich Märchengeschichten, die die Menschen brauchen (und schon immer brauchten), um sich den Sinn des Lebens zu erklären. Was ich über Religionen an sich denke und über die Glaubenskriege, die in ihrem Namen geführt werden, wurde hoffentlich ja schon in meinem „Weihnachts„-Beitrag klar.

Aber ich glaube daran, dass jedes Lebewesen eine Seele hat, die nach dem Absterben des Körperlichen, Materiellen frei wird und sich ohne jede Grenze bewegen kann. Und das werde ich nutzen, das sag ich euch! 😉

Da ich nämlich furchtbar neugierig bin und sehr gern mehr über das Weltall wissen würde, würde ich mir – so bald ich aus diesem meinem Körper raus bin – umgehend anschauen, wie genau das aufgebaut ist und wo es zuende ist. Ich glaube nämlich weiter, dass alles Kleine eine Entsprechung im Großen hat – und umgekehrt.
So wie die Krone der Linde aussieht wie ihr Blatt, bei den anderen Bäumen ist es übrigens genauso (achtet mal darauf!), so ist der Aufbau einer Zelle entsprechend dem unseres Sonnensystems – sogar in den Entfernungsrelationen! Alles darin kreist um den Kern (Entsprechung: die Sonne).

Deshalb gehe ich davon aus, dass wir quasi als NanoNanoNano-Teilchen in so etwas wie einer Zelle leben – viiieeel kleiner als ein Fliegenschiss übrigens – im Verhältnis zum Ganzen, das sollte sich so mancher arrogante menschliche Großkotz, der sich als die Krone der „Schöpfung“ sieht und Tiere für „Sachen“ hält, mal klar machen. (Was weiß z.B. das menschliche Spermium von der menschlichen Haut …?)

Ja, und dass diese Zelle, in der wir eine Zeit lang existieren, Teil eines großen, großen Gesamt-Körpers ist, der aus einer Unzahl dieser Zellen zusammengesetzt ist und irgendwo – so wie alles Lebende hier auf der Erde – eine „Haut„, eine Begrenzung haben muss – das glaube ich auch.

Deshalb fürchte ich mich nicht vor dem Tod, und ich versuche, davor möglichst alles, was danach zu regeln ist, selbst in die Hand zu nehmen, damit das später nicht andere für mich machen müssen. Irgendwo ist dieses Vor-dem-Tod-die-Augen-verschließen für mich nämlich auch ein Stück Gemeinheit und Ignoranz den Hinterbliebenen gegenüber. Nach dem Motto: Ich will nix damit zu tun haben – nein, an den Tod will ich nicht denken, sollen sich doch die Überlebenden später um alles Notwendige kümmern.
Nee, das find ich keinen schönen Zug.

Eure Meinung zu diesem Thema würde mich interessieren … 😉

7 Gedanken zu „Tabuthema: Tod

  1. shayanna sagt:

    sehr interessante überlegungen, liebe Ulrike.
    ähnlich wie du kann ich nichts mit begriffen wie „himmel, Paradies, gott und jesus zu seiner rechten“ anfangen.
    immer öfter denke ich, das es vielleicht doch so etwas wie eine wiedergeburt der seele gibt.
    das würde ich sehr spannend finden…
    ich kam darauf, weil ich mir nicht erklären konnte wieso ich so eine tiefe verbindung zu irland habe und mich damals, als ich das erste mal irischen boden betrat fühlte, als wäre ich endlich nach hause gekommen.
    vielleicht hat meine seele dort schon einmal gelebt?
    dazu passt doch irgendwie auch, das ich gerade in dem moment als mein geliebtes bärchen gegangen ist, das fienchen gefunden habe..
    mag sich jetzt vielleicht alles spinnert anhören, aber mir gefällt diese art zu denken.

    umarm
    shayanna

  2. Ulinne sagt:

    Genauso wie dir mit Irland ist es mir damals mit Mylopa gegangen, Anne. Und ein bisschen auch hier, als ich zum ersten Mal das Haus in Neuenkirchen besichtigte.
    Schon seltsam – ein solches Gefühl, am richtigen Ort, irgendwie „zu Hause“ angekommen zu sein. Ich finde, das hört sich absolut nicht spinnert an. Wenn man ehrlich mit sich ist (und solche Gefühle nicht gleich als esoterischen Kram abtut), hat das sicher fast jeder in seinem Leben schon mal so erlebt.
    Drück dich
    Ulrike

  3. Gertrud sagt:

    Den Tod fürchte ich auch nicht, eher fürchte ich das Leben, will sagen das langsame abserbeln. Es beelendet mich sehr, wenn ich meine uralten Tanten und Onkel sehe, wie sie ihr elendes Dasein bis zum Schluss (bis Gott sie zu sich ruft) aushalten müssen
    Für mich möchte ich das Gegenteil der Geburtenregelung, nämlich die Todesregelung. ICH will bestimmen, wann ich genug habe.
    Da ich Einzelgängerin bin, möchte ich auch nicht unbedingt auf Seelenwanderung gehen. Womöglich noch meinen irdischen Unannehmlichkeiten begegnen! Nein, dann will ich meine Ruhe haben.
    Mir fällt aber auf, dass sowohl ältere als auch kranke Menschen dieses Thema NIE anschneiden. Auch nicht, wie sie sich das NACHHER vorstellen. Mit diesen Gedanken ist man alleine.
    Fast vermute ich, dass über den Tod nur geredet werden kann, wenn man noch ausserhalb dieser Möglichkeit steht. Vielleicht wird das bei mir später auch so, wer weiss.

  4. Ulinne sagt:

    Nee Trudy, ich glaube nicht, dass man – wenn man älter wird – seine Grundeinstellung dazu noch mal ändert. Ich kann mir jedenfalls NICHT vorstellen, dass ich später mal anders darüber denken werde. Und wer mit seinen Gedanken über den Tod und das Danach allein sein und nicht drüber reden will, ist selbst schuld, wenn es schwierig für ihn ist. Dann muss er/sie da auch alleine durch …

    Was die Sterbehilfe anbetrifft, da denke ich genauso wie du. Ich finde auch, dass mir da niemand reinzureden hat – die Kirche schon mal gar nicht, ebenso der Staat.
    Jeder WichtigWichtig meint, seinen Senf dazu geben und das Leben eines Menschen möglichst lange retten zu müssen. Da geht man ja humaner mit Tieren um!
    Und angeblich „ethische“ Argumente oder Warnungen vor Missbrauch finden sich leider immer. Was interessiert mich das persönlich? Ich will mein Recht auf Selbstbestimmung. Habe keine Lust, mir das nehmen zu lassen.
    In Diskussionen wird oft angeführt, dass Selbstmord schließlich nicht strafbar sei. Ja, – *lach* – das wäre auch noch schöner! Wollen sie etwa die Leiche bestrafen dafür? Was sollen solche dummen Sprüche?!
    Nein, mein Leben, mein Körper und mein Sterben gehören mir! Nimmt mir ja auch niemand ab – selbst wenn eines der drei Dinge zum Teil schwierig oder schmerzhaft ist. Und es wäre humaner, den Menschen, die es wollen, zu helfen – nicht, ihnen das Sterben durch gesetzliche Regelungen schwerer zu machen, indem man Helfer bestraft.
    Ja, und beim Verweis auf die Paliativ-Medizin kann ich auch nur lachen. WO? WO? WO? ist sie denn? In meiner Nähe wüsste ich nicht …

    So, so, deine Ruhe willst du haben, wenn du tot bist. Na, du bist mir ja eine. Dann können wir uns ja gar nicht treffen und gemeinsam nach dem Ende der Welt suchen … Och …

  5. Ulrike sagt:

    Hier kann ich mir Dir nur voll und ganz anschließen, liebe Namenscousine – es ist mein Denken über den Tod. Und die einzige schlechte Vorstellung ist eigentlich die an ein evtl. Dahinsiechen vor dem Zeitpunkt, an dem ich diese Hülle verlassen darf … auch ich kann da mit kaum einem älteren Menschen drüber reden, nur weil ich irgendwann mal innerhalb der Familie sagte: das Sterben beginnt mit der Geburt. Aber davon gehe ich keinen Deut ab! Ebensowenig wie von der Behauptung, dass der Mensch nicht der Nabel der Welt ist, sondern die Natur mit all ihren Geschöpfen. Klar, man ist da sehr fix als Esotheriker verschrien, aber das macht auch nichts. Irgendeinen Namen müssen schlaue Menschen ja allen Dingen geben!

    Liebe Grüße von Ulrike

  6. Gertrud sagt:

    Gerade ist meine Gotte mit 92 Jahren gestorben. Sie hatte mir schon vor über 10 Jahren geklagt, es nähme sie nur wunder, worauf sie noch warten müsse. Ihr Mann ist schon länger gestorben und sogar 2 ihrer Kinder. Und sie war schon einige Jahre in einer Alterssiedlung, weg von daheim. Sie hat zwar alles geduldig ertragen, aber glücklich war sie sicherlich nicht mehr, sie kam ja von einem Bauernhof.
    Morgen ist die Beerdigung.

  7. Ulinne sagt:

    Ach je …
    Sie hat ja nun wirklich ein stolzes Alter erreicht, obwohl sie eigentlich gar nicht so lange wollte. So spielt das Leben: Einige zu früh und andere zu spät …

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