Teure Privilegien für Beamte?

Ich sehe mir sehr gern kritische TV-Magazine an. Auch PANORAMA gehörte bisher immer dazu. Gestern jedoch war ich über einen sehr schlecht recherchierten und höchst tendenziösen, ja fast hetzerisch irreführenden Beitrag sehr erschreckt und zwar über diesen:
Zwei-Klassen-Medizin – Teure Privilegien für Beamte und Abgeordnete„.
(Ein Bericht von Tamara Anthony, Ben Bolz, Nils Casjens, Bettina Schön, die man wohl allesamt kaum als „Journalisten“ bezeichnen kann.)

Hier wurde – einmal mehr in den Medien – die gesamte Palette des Anti-Beamten-Registers gezogen, und zwar höchst lückenhaft und einseitig. Deshalb drängt es mich doch sehr, hier noch ein paar (hoffentlich) erhellende und aufklärende Tatsachen hinzuzufügen.

Wahr ist: Beamte sind in der Regel privat krankenversichert. (Auch ich, aber ich habe mir das nicht ausgesucht.)

Wahr ist auch: Der Staat zahlt über die Beihilfe einen Teil der (leider) erhöhten privaten Arztrechnungen mit. (Der Grund dafür, dass diese Arztrechnungen allerdings – wie bei allen Privatversicherten – aus dem 2,3-fachen Honorarsatz bestehen, liegt in der Gebührentabelle, für die kein Privatversicherter etwas kann. Da müsste man die Gebührenordnung ändern, denn auch mir entzieht sich diese Regelung bisher jedes Verständnisses.)

Nun zieht PANORAMA in seinem Bericht daraus eine Konsequenz (bei der befragte Passanten natürlich prompt entrüstet fordern, dass man den Beamten dieses „Privileg“ umgehend zu entziehen habe):
Beamte kommen den Staat – was die Gesundheitskosten anbetrifft – sehr, sehr teuer.

Ja, dann möchte ich doch mal eine Gegenrechnung aufmachen:

Der Arbeitgeber meines Mannes muss für ihn, der gesetzlich krankenversichert ist, jeden Monat eine Menge Euros als Arbeitgeberanteil für die Krankenversicherung abführen.

Und was führt das Land NRW für mich jeden Monat an eine Krankenversicherung ab?

Nichts!

So lange ich nicht krank bin, gibt es für das Land also nicht einen einzigen Cent an Gesundheits-Kosten für mich als Beamtin. Und da waren etliche Jahre, in denen ich kein einziges Mal beim Arzt war oder Medikamente brauchte – demzufolge auch keine Rechnungen eingereicht habe. In diesen Jahren habe ich das LBV also nichts gekostet , denn für meine anteilige private Krankenversicherung zahle allein ICH von meinem Nettoeinkommen – damit hat das LBV nichts zu tun. Im aktiven Dienst sind das 50%, wobei von bei der Beihilfestelle eingereichten Rechnungen auch noch ein erheblicher Teil als sogenannte „Kostendämpfungspauschale“ vom Land nicht rückerstattet wird, also ebenfalls an MIR ganz persönlich hängen bleibt.

Wo also bin ich nun so wahnsinnig teuer für den Steuerzahler??

Sicher, wenn Beamte einmal krank werden wird es (auch für den Staat/das Land) teurer, als wenn wir Beamte gesetzlich versichert wären, da es ja diese unsinnige Gebührenordnung mit dem 2,3-fachen Satz für Privatversicherte gibt (von der Gesamtrechnung trägt die Beihilfe allerdings nur 50% – höchstens, falls sie nicht noch einige Positionen als nicht erstattungswürdig erachtet, die andere Hälfte bezahlt meine Krankenversicherung!), aber hat man in der PANORAMA-Redaktion schon mal ausgerechnet, wie hoch die Kosten für Bund und Länder wären, wenn stattdessen für die Beamten jeden Monat ein Arbeitgeberanteil für eine gesetzliche Krankenversicherung abgeführt werden müsste, und zwar für alle , auch für diejenigen, die jahrelang nicht krank sind?
Ich gehe sogar eher davon aus, dass das SO nicht geschieht, weil es im Endeffekt für den Steuerzahler BILLIGER ist! Und bisher haben dies auch alle entsprechenden Untersuchungen so bestätigt, denn natürlich ist das durchgerechnet worden.

Die PANORAMA-Redaktion, deren „Erzeugnisse“ ich ansonsten immer sehr geschätzt habe, sollte es vermeiden, irreführend, schlampig und auf BILD-Niveau (mit Blick auf die Quote) zu berichten, statt das Volk dermaßen unqualifiziert gegen Beamte aufzubringen.

Ich bin schwer enttäuscht!
Jedenfalls hat dieser Beitrag mir klar gemacht, was ich nun von so manchem anderen PANORAMA-Beitrag zu halten habe …

Das ARD-Forum zu diesem PANORAMA-Beitrag

6 Gedanken zu „Teure Privilegien für Beamte?

  1. april sagt:

    Danke, dass du das mal so gesagt und so gut zusammengefasst hast. Worüber ich mich in diesem Zusammenhang auch immer ärgere: da wird gemeckert, dass Privat-Versicherte terminlich vorgezogen werden. Wieviel Zeit ich aber brauche, um Überweisungen zu tätigen und das Geld dann wieder einzufordern, welchen Formularkrieg das erforderlich macht, das macht sich keiner klar.

  2. Ulinne sagt:

    Ich werde nicht mal terminlich vorgezogen – zumindest nicht bei meinem Hausarzt (andere Ärzte besuche ich ja kaum), liebe April.
    Und ja, wenn gesetzlich Versicherte so einen Aufwand mit ihren Arztrechnungen betreiben müssten wie wir, würden sie vieles auch anders sehen und die „Privaten“ gar nicht mehr so sehr beneiden.

  3. april sagt:

    Am ärgerlichsten ist es, dass man jede Rechnung zweimal einreichen muss: einmal bei der privaten Versicherung und dann bei der Beihilfe (ne, umgekehrt, weil die Versicherung die einbehält). Und bei der Beihilfe werden die ersten Rechnungen im Jahr trotzdem nicht erstattet, wegen der Kostendämpfungspauschale. Ich glaube, das wissen viele nicht.

  4. Ulinne sagt:

    Moin April,
    ich schick immer die Rechnungskopie an die Beihilfestelle, das Original an die Versicherung, dann habe ich es in einem Abwasch weg. Aber es ist sehr, sehr lästig, mein Michi ist froh, dass er mit diesem Aufwand nichts zu tun hat und keine Rechnungen aus der eigenen Tasche vorstrecken muss.
    Ja – die „Kostendämpfungspauschale“ … – die hab ich im Beitrag ja auch schon erwähnt. Sie enthält ja auch die Praxisgebühr, von denen viele meinen, Beamte müssten sie nicht zahlen, nur weil sie ihre 10,-Euro nicht direkt auf den Arzt-Tresen legen müssen.
    Ach, bei dieser ganzen Sache ist so viel Unwissenheit. Deshalb ist es besonders verwerflich, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender einen derart hetzerischen und in der Sache völlig falschen Beitrag liefert. Ich werde den Panorama-Machern nie mehr Glauben schenken. Schade …

  5. Norbert sagt:

    Hallo Ulinne,
    sehe mir regelmäßig die Beiträge von Panorama wie auch Frontal oder Monitor an. Eigentlich fand ich es schon vor der Sendung sehr merkwürdig, dass für die angeblich exakt gleiche Leistung für Privat Versicherte mehr als doppelt so hohe Gebühren erhoben werden.
    Ich bin Freiberufler und privat versichert. Trotzdem finde ich, dass alle Versicherten gleich behandelt werden sollten und somit auch gleiche Gebühren berechnet werden müssen.
    Wenn den Berichten in den Medien glauben schenke, ist selbst dass Gesundheitssystem unter Fidel Castro gerechter als unseres.
    Norbert

  6. Ulinne sagt:

    Hallo Norbert,
    ja – genau, das schrieb ich in meinem Beitrag ja auch. Dass für „Private“ ein mehrfacher Gebührensatz erhoben werden darf, finde ich auch nicht in Ordnung. Wer wohl auf eine so blöde Idee gekommen ist?
    Aber das ist nochmal ein eigenes Thema, denn da geht es ja um *alle* Privatversicherten.

    Hier insbesondere jedoch auf den Beamten herumzudreschen, finde ich völlig unangebracht. Von mir aus könnte man uns Beamte alle in die gesetzliche KV schicken, ich hätte nix dagegen, entfielen dadurch doch der lästige Papierkram (um wieder an sein Geld zu kommen) und so manche unnötige Untersuchung, mit der sich einige Ärzte eine goldene Nase verdienen wollen …
    Aber dass die Beihilfe den Staat teurer kommt als ein regelmäßiger, monatlicher Arbeitgeberanteil (auch wenn ein Beamter gar nicht krank ist), stimmt einfach nicht. Es ist u.a. aus Kostengründen bisher nicht verändert worden.

    Liebe Grüße mal wieder, lieber Norbert 😉
    Ulrike

Kommentare sind geschlossen.