Verkaufte Kinder in Ghana

Neulich in der Lokalzeit NRW habe ich mit Entsetzen einen Bericht über eine besonders perverse Form des Menschenhandels in der Region des Voltasees in Ghana verfolgt. Dort nutzen Fischer die Not der vielköpfigen Familien aus und kaufen ihnen eines oder mehrere ihrer vielen Kinder ab, bezahlen ihnen pro Kind für 3 Jahre etwa 5,-EUR – (!!!) – und setzen diese Kinder dann als Helfersklaven auf ihren Schiffen ein. Nach den mit den Eltern vereinbarten 3 Jahren kommen die Kinder in der Regel dann aber nicht nachhause zurück, nein, die Fischer werfen viele von ihnen den Fischen im See zum Fraß vor, weil sie sich davon versprechen, in Zukunft bessere Fänge zu haben. Nur wenigen Kindern gelingt die Flucht.

Bettina Landgrafe, Gründerin der Hilfsorganisation Madamfo-Ghana, die sich seit vielen Jahren in Ghana – u.a. auch gegen diese Missstände engagiert, erzählte davon. Auf der WebSite des Vereins kann man sich darüber informieren, was der Verein dort sonst noch für die Menschen tut.

Natürlich hab ich gleich nach Madamfo-Ghana gegoogelt, die WebSite auch fix gefunden, mich mit Bettina in Verbindung gesetzt und ihr einen Hilfs-Vorschlag gemacht.

Eben kam ihre Antwort.
Hier einige Auszüge daraus:

Was tun bei all dem Leid? Wie helfen? Vor allem so, dass es ankommt und wirklich etwas nützt! Ich habe Dir als weitere Hintergrundinformation einen Kurzbericht über die Situation vor Ort beigefügt. Leider ist das Problem vor Ort sehr komplex und nicht „so einfach“ zu lösen, wie es mit Deinen Vorschlägen wäre. (Ich hatte vorgeschlagen, dass man sich Familien aussucht, die man mit einem monatlichen Beitrag regelmäßig unterstützt, damit der Verkauf ihrer Kinder für sie in ihrer Not nicht mehr nötig wäre. – Anm.)
Die Aufgabe der Regierung Ghanas ist es, durch Aufklärungsarbeit und durchsetzten der Gesetze, diesem Missbrauch der Kinder Einhalt zu gebieten.

Aber es tut niemand etwas. Keiner fühlt sich zuständig. Ich habe bei meinem letzten Aufenthalt in Ghana (März-April 2009) mit der ghanaischen Familienministerin über dieses große Problem gesprochen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es für mich und meine Organisation die Aufgabe sein wird SOFORT etwas zu tun. Ich will und kann nicht zuschauen!

Wir werden einen Kinderhort bauen, mit Küchengebäude, Schlafsälen und
Sanitär-, bzw. Duschgebäude. Dort werden wir die Kinder aufnehmen die
weglaufen konnten, oder die, die durch andere Umstände befreit werden
konnten. Wir werden eine sichere Zufluchtsstätte bieten.

Das Land für das Kinderheim haben wir bereits. Die Sozialarbeiter, Hausmutter und Vater, sowie Köche usw. wird der Staat stellen. Dies habe ich vorab bereits geklärt und vereinbart.

Wie nun konkret helfen:

1. Öffentlichkeit für dieses Thema schaffen! Je mehr Menschen davon wissen umso besser!

2. Spenden sammeln, um das Gebäude errichten zu können

3. Längerfristig möchte ich eine Aufklärungskampagne in der Region
durchführen und für das Thema vor Ort Sensibilität schaffen
.“

Und hier könnt auch ihr lesen, was Bettina mir gerade an Information dazu als Datei angehängt hat.

Kinderhandel in der Volta Region Ghana

Ort:
Der Distrikt heißt Kpando. Er liegt am Südostufer des Voltasees. Ca. 2 Stunden Fahrt von der Kleinstadt Ho entfernt.

Hintergrund:
Kinderhandel und Kinderarbeit ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und in Ghana unter Strafe verboten.
Die Kinder werden von ihren Eltern verkauft, für 300.000 Cedi (ca. 5.40.-€) für 3 Jahre! Das Alter der Kinder liegt zwischen 3 -17 Jahren. Die Eltern haben zwischen 5 und 12 Kindern, da fällt es „leicht“ ein paar anzugeben…
Die werden dann als billige Arbeitskräfte missbraucht und arbeiten bis zu 14 Stunden am Tag. Die Kinder werden bevorzugt auf den Inseln im See (weil diese nicht zu erreichen oder zu kontrollieren/überwachen sind) in einer Art „Miniatur-Arbeitslager“ „gehalten“. Sie haben generell kaum die Chance auf Schulbildung noch Anspruch auf Bedürfnisse. Sie werden nicht bezahlt. Das ist in Realität nichts anderes als Sklaverei.

Die grausame Realität aber ist, dass viele der Kinder ertrinken da sie nicht schwimmen können oder in den Netzen hängen bleiben. Fakt ist auch, dass Kinder nachdem ihre Zeit abgelaufen ist und sie wieder „frei gelassen werden“ müssen, extra ins Wasser geworfen werden und dann ertrinken. Die Fische fressen dann die Leichen was zu einem guten Fang für die Fischer führt. Was diese wiederum als gutes Omen ansehen.
Auch werden die Kinder mit scharfen Gegenständen geschnitten und das Blut dann ins Wasser getropft was wiederum auch die Fische anlockt, wiederum als gutes Omen angesehen wird und dann guten Fang bringt.

Der Director des Department of Social Welfare (Wohlfahrt) im Kpando District Mr. Roland Kumfo bestätigte all diese Fakten und bat Madamfo-Ghana dringend um Hilfe.
Ausweg:
Madamfo Ghana möchte eine Zuflucht für die Kinder bauen, in der sie ge- und beschützt so lange bleiben können, bis der Welfare Officer Herr Kumfo Familienmitglieder gefunden hat, die das Kind aufnehmen. Findet sich niemand der das Kind aufnimmt hat es im Kinderheim eine sichere Zufluchtsstätte.
Diese Situation ist so schrecklich, dass man es kaum glauben kann. Wir müssen hier dringend helfen und dürfen nicht zuschauen!“

MadamfoGhana


Madamfo-Ghana Ghana-Projekt –
Bettina Landgrafe e.V.

Vorstand: Bettina Landgrafe (1. Vorstand)
Registergericht: Amtsgericht Hagen
Registernummer: VR 2490
Spendenkonto: Sparkasse Hagen
BLZ: 45050001
Kontonr.: 101900090

www.Madamfo-Ghana.de

MadamfoGhana solittle

Bitte helft – so ihr könnt!

3 Gedanken zu „Verkaufte Kinder in Ghana

  1. Agnes sagt:

    Ich bin entsetzt!
    Für 3 Jahre ein Kind „ausleihen“ bringt den Eltern ganz 5 Euro?
    Auch wenn der Wert des Geldes dort ein anderer ist, das kann und darf doch wohl nicht sein.
    Ich schließe mich Deiner Vorstellung an, dass man doch den Eltern diesen Betrag spendenmäßig geben sollte, damit sie ihre Kinder nicht verkaufen.
    Das ist ja so traurig, da fehlen mir die Worte.

    Agnes

    Agness letzter Blogeintrag: Schönes und trauriges in der Märkischen Schweiz

  2. Wildgans sagt:

    werde mit meiner freundin drüber reden, deren gatte weil fast immer in ghana und sie ist auch oft dort. davon wissen die sicher nix.
    aber sag mal, wirst du nicht verrückt, wenn du dich mit solch üblen dingen beschäftigst? wohin steckst du dein entsetzen, wohin die doch relative machtlosigkeit?
    gruß von sonia

    Wildganss letzter Blogeintrag: Sätze des Tages

  3. Ulrike/Ulinne sagt:

    @Agnes:
    Ja, 5 EUR nochwas, aber nicht mal 6.
    Wie groß muss da die Not der Menschen sein, wenn man zu so wenig Geld sein Kind für 3 Jahre „ausleiht“, was? Und wenn dann noch die Hoffnung enttäuscht wird, dass es nach diesen 3 Jahren tatsächlich zurück kommt, ist es NOCH bitterer.
    Schlimm!

    @Wildgans:
    Hier ins Blog pack ich mein Entsetzen.
    Und ich beschäftige mich ja nicht völlig freiwillig mit solchen Themen. Sie werden mir ja täglich frei Haus geliefert. Dir nicht?
    Gut, man könnte den Fernseher aus lassen, oder nur fröhliche Sachen gucken, aber 1. gibts solche Sendungen nur selten – jedenfalls gute, interessante (wie z.B. Dokus über Butan, das glückliche Ländle), und 2. bin ich dafür wohl auch nicht der Typ.
    Augen-zu-und-durch-Sendungen wie „Musikantenstadel“, bei denen man sich fühlt, als sei die Welt in Ordnung, sind nix für mich, da krieg ich erst recht Gänsehaut …

    Gruß – Ulrike

Kommentare sind geschlossen.